334 Drittes Buch: Ende der spanisch-katholischen Vorherrschaft (1618—1660). 8 198.
im Kampfe gegen das katholische Habsburg zugleich Schwedens Unab-hängigkeit gegen das katholische Polen zu wahren (8 172). Freilich warein gemeinsames Vorgehen beider Könige wegen der sonst zwischen ihnenbestehenden Gegensätze (Z 172) nicht möglich. Durch Verhandlungen mitEngland gelang es Christian IV. denn auch, seinen schwedischen Rivalenbeiseite zu schieben; Gustav Adolf wandte sich nun zuerst einem KriegeIWoberM gegen Polen zu, Christian IV. aber wurde von den niedersächsischenJunt iWs Ständen zum Kreis ob ersten für den Krieg gegen den Kaiser erwählt.
Gegen Ende des Jahres kam dann im Haag das Bündnis mit EnglandDez. IKW und Holland zum Abschluß, worin diese sich zu Geldzahlungen an denDänenkönig verpflichteten. Außerdem aber hatte auch Mansseid bereitsmit englischem und französischem Gelde ein neues Heer für den Pfalz-grafen werben können.
8 198. Wallensteins Rüstung. Das damalige Heerwesen. Währendsich das große Bündnis gegen den Kaiser vorbereitete, hatte sich dessenmilitärische Lage wesentlich gebessert. War er militärisch bisher in derHauptsache auf die Liga angewiesen gewesen, so erhielt er jetzt ein eigenesHeer; diese für ihn sehr günstige Wendung trat ein durch AlbrechtEusebius Wenceslaw von Waldstein (Wallenstein).
Wollenstem Wallenstein entstammte dem protestantischen Zweige einer altböhmischen Adelssamilieund wurde am 24. (14.) September 1583 zu Hermanic geboren. Von seinen Eltern undnach deren frühem Tode (die Mutter starb 1593, der Vater 1595) von einem Oheim wurdeer evangelisch erzogen und von böhmischen Brüdern (II, Z 318) unterrichtet. Die früherallgemein herrschende Ansicht, daß er dann von einem anderen Oheim dem Jesuitenkolleg inOlmütz überwiesen worden und hier zum Katholizismus übergetreten sei, ist neuerdings alsirrig erwiesen worden; er besuchte vielmehr von 1597 bis 1599 die evangelische Lateinschulein Goldberg in Schlesien und wurde erst später katholisch, wahrscheinlich 1606 während einesAufenthalts in Mähren, wo er bei einem eifrig katholischen Schwager seiner Mutter durchden Jesuitenpater Veit Pacht« für den Katholizismus gewonnen wurde und im OlmützerKolleg übertrat. Dazu stimmt, daß er (nach der alten Ansicht trotz seines Übertritts) 1599die protestantische Universität Altdorf (bei Nürnberg) bezog. Von hier schon im nächstenJahre wegen nächtlicher Unruhen und wegen eines Duells relegiert, weilte er einige Zeitals Edelknabe am Hofe des Markgrafen Karl von Burgau, des Sohnes des ErzherzogsFerdinand und der Philippine Weiser (Z 181); daß die Rettung bei einem Fenstersturz ihndem Katholizismus geneigt gemacht haben sollte, ist wenig wahrscheinlich. Dann machte1604-wos er eine längere Reise durch Italien, wo er sich in Padua astrologischen Studien hingab,Frankreich, Holland und England. Zurückgekehrt, nahm er Kriegsdienste und kämpfte inUngarn unter Basta (H 181). Nach dem Friedensschlüsse ging er über Mähren (wahr-1606 scheinlich wurde er hier katholisch) nach Böhmen und gewann dann unter Vermittlung desJesuiten Pacht«, der schon seinen Religionswechsel bewirkt hatte (sollte dieser Religions-los Wechsel mit der Aussicht auf die reiche Heirat zusammenhängen?), die Hand der zwar schonälteren, aber sehr reichen Witwe Lukrezia von Landeck. Bei ihrem Tode hinterließ sie ihmisit ihre ausgedehnten Güter, und zugleich beerbte er einen Oheim; dadurch erhielt er die Mittelzu glänzendem Auftreten und zur Anwerbung eines Dragonerregimcnts, mit dem er im1611 Dienste des Erzherzogs Ferdinand an dessen Kriege gegen Venedig teilnahm. Als dann der1618 böhmische Aufstand ausbrach, hielt er zum Kaiserhause; er kämpfte vor Wien gegen die18 M Böhmen, sein Regiment nahm auch an der Schlacht am Weißen Berge teil, und er selbst162 1—1623 stand in den nächsten Jahren gegen Bethlen Gabor im Felde. Den Lohn für diese Hal-tung empfing er bei den böhmischen Strafgerichten (H 195). Er gehörte einem Konsortiuman, das vom Kaiser die Münzprägung für Böhmen, Mähren und Niederösterreich erhieltund minderwertige Münzen prägte; ehe der Kaiser deren Wert herabsetzte, erwarb ermit diesem Gelde für Schleuderpreise zahlreiche konfiszierte Güter und kaufte dann vomKaiser sehr billig die Herrschaft Friedland; durch nicht ganz lautere Mittel wußte er auchdie Güter seiner mütterlichen Verwandten an sich zu bringen. Seine Vermählung mit1623 Jsabella Katharina von Harrach, deren Vater dem Kreise des Ministers Eggenberg an-gehörte, brachte ihn in noch nähere Beziehung zum Wiener Hofe. Zum Fürsten erhoben,