358 Drittes Buch: Ende der spanisch-katholischen Vorherrschaft (1618—1660). Z 213.
Spaniern der Landweg nach den Niederlanden verlegt, und zugleich siegtendie Franzosen in Savoyen und Oberitalien (Z 122). In Wiederaufnahmeseiner alten Pläne (§ 207) hoffte er aus dem Sund- und Breisgau, aus Teilender Freigrafschast und Lothringens ein größeres Fürstentum gründenund die Abhängigkeit von Frankreich abschütteln zu können; auch dachteer an die Bildung einer aus deutschen Fürsten bestehenden „dritten" Partei,wie sie einst beim Leipziger Konvent (Z 202) geplant gewesen war. Überdie von Bernhard eroberten Lande kam es zu verdrießlichen Unterhand-lungen mit dem französischen Hofe, der ihm zwar früher den Besitz desElsasses zugesichert, jetzt aber sich selbst diese günstig gelegenen Länderi8.J»niWsanzueignen suchte. Als daher Bernhard kurz nachher plötzlich starb,sprach man von einer Vergiftung. Dieser Verdacht ist gewiß unbegründet,doch kam der Tod den Franzosen sehr gelegen. Bernhard hatte sich ihnengegenüber immer seine Selbständigkeit im Geiste Gustav Adolfs zu wahrengesucht und bekundete seine deutsche Gesinnung auch dadurch, daß er seineEroberungen in seinem Testament einem seiner Brüder vermachte. Indesis. O». iWs es gelang den Franzosen, die auch von Österreich und Schweden umworbeneArmee für sich zu gewinnen: die Weimar ischen Truppen leistetendem französischen Könige den Treueid und traten nun unter französi-schenOberbefehl;die eroberten Plätze aber wurden an Frankreich über-liefert. Damit hatte Richelieu wieder einen großen Erfolg errungen. DieTaten Bernhards von Weimar führten so gegen dessen Wunsch den Verlustdeutscher Grenzlande herbei; es erwies sich eben als unmöglich, mit fran-zösischen Geldmitteln eine antifranzösische Politik zu treiben.
BanersVor- Da zum Entsatz von Breisach auch aus Norddeutschland kaiserlicheTruppen herangezogen wurden, so erhielt durch Bernhards Siege der andas Meer zurückgedrängte Bauer wieder Bewegungsfreiheit. Er unter-nahm einen Vorstoß gegen die kaiserlichen Erblande, besiegte die Sachseni4.Apru IM bei Chemnitz und verhängte über das unglückliche Böhmen die furcht-barsten Drangsale. Vor den zum Schutz der kaiserlichen Erblande heran-gezogenen Truppen (unter Erzherzog Leopold Wilhelm und Piccolomini)iü4o zurückweichend, wandte er sich westwärts, um sich mit dem weimarisch-sranzöstschen Heere (unter G u e b r i a n t) zu vereinigen, und nahm Winter-quartiere im Lüneburgischen. Inzwischen trat endlich einmal wieder einS°pt. 164» Reichstag in Regensburg zusammen, um über den Frieden zu be-raten (8 214). Da diese Verhandlungen den Interessen Schwedens undFrankreichs nicht entsprachen, faßte Bauer den verwegenen Plan, mittenJa«. i64i im Winter aus den Winterquartieren aufzubrechen und in Verbindungmit Guebriant den Reichstag mit dem Kaiser aufzuheben. Er erschienvor Regensburg, erreichte aber seinen Zweck nicht, da der durch plötzlichesTauwetter eingetretene Eisgang den Übergang über die Donau verhinderte.So trat er den Rückzug an, auf dem er in Halberstadt an den Folgen89. Mai 1641 der Anstrengung und eines unmäßigen Lebens starb.
Torstens«» § 213. Der Ausgang des Krieges (1641—1648). Bauers Nach-K§°gsschau-folger war Torsi enson, der talentvollste Zögling aus Gustavs Schule,rlatz> her seiner Gichtschmerzen wegen sich meistens in einer Sänfte tragen ließund dennoch durch die Schnelligkeit seiner Bewegungen die Welt in Er-staunen setzte. Zugleich schlug die brandenburgische Politik eine RichtungWiih/lm von ein, die für Schwedens militärische Stellung günstig war ; der neue Kur-fürst Friedrich Wilhelm (der Große Kurfürst) war schon in