8 230 . Zweites Kapitel: Aufschwung Frankreichs, der Niederlande u. Großbritanniens. 391
Ein neuer Krieg war unvermeidlich. Um die dazu nötigen Geldmittel P°"m°ntzu erhalten und eine günstigere Stimmung in England zu wecken, beriefKarl nach elfjähriger Unterbrechung wieder ein Parlament. Dieses aber W,Apriii64erfüllte die Wünsche des Königs nicht. Unter Führung von John Phmunterzog das Unterhaus die Regierung einer scharfen Kritik und verlangtevor Bewilligung der Kriegsgelder die Abstellung seiner Beschwerden. Dalöste der König dieses „Kurze Parlament" wieder auf. Nun sollten s. Mai is«der Adel und die Geistlichkeit für die Aufbringung der Geldmittel sorgen.
Bevor aber die Rüstungen rechten Fortgang nahmen, rückten nach Beschlußihres Parlaments die Schotten unter Leßley, der unter Gustav Adolfseine militärische Schulung genossen hatte, über die englische Grenze. Gegendie von glühendem Glaubenseifer beseelten Schotten, die unter Psalmen-gesang und Gebet ins Feld zogen, konnte Karl mit seinen wenig zahl-reichen und unsicheren Truppen keine Schlacht wagen, und so endete derzweite Bischofskrieg wie der erste ohne Kampf. Auf Grund des Waffen-stillstands von Ripon blieben die Schotten in England, versprachen 14 . o«. isiaber nicht weiter vorzugehen. Zugleich entschloß sich Karl, ein neuesParlament zu berufen; er gestand damit ein, daß die absolutistischeRegierung gescheitert war.
8 23V. Die Anfänge des Langen Parlaments (1640—1642). Das LAAUsneue, am 3. November 1640 eröffnete sogenannte „Lange Parlament"
(es tagte zuerst bis 1648 und als Rumpfparlament bis 1653; dann wurdees als Rumpfparlament 1659 und vollständig 1660 wiederberusen) warnoch weit oppositioneller als die vorhergehenden.
Anstatt, wie die Thronrede verlangte, sogleich die Mittel gegen dieschottischen „Rebellen" zu bewilligen, erhob das Unterhaus zunächst dieheftigsten Beschwerden über die Rechtsverletzungen, Gewalttätigkeitenund Willkürmaßregeln in Staat und Kirche. Sodann wandte es sichgegen die vornehmsten Ratgeber der Krone, indem es nach dem Satzehandelte, daß der König nicht unrecht tun könne, die Minister aber ver-antwortlich seien. Strafford, „der große Abtrünnige" (Z 228), den derKönig gegen dessen Willen (Strafford dachte daran, von Irland aus Englandund Schottland niederzuwerfen) aus Irland berufen hatte, und der Erz-bischof Land wurden in Anklagestand versetzt und in den Tower gebracht. AN-»,llrn beide zu retten, zeigte sich der König nachgiebig: er bildete ein neues ^Ministerium aus Gliedern der Opposition; er gab seine Einwilligung zudem Gesetz, daß das Tonnen- und Pfundgeld fernerhin nur mit Bewilligungdes Parlaments erhoben werden dürfe, und bestätigte die Triennialbill,Tri-nni->lbillnach der spätestens jedes dritte Jahr ein Parlament statt-is.F-bEihaben sollte und das Parlament nur mit eigner Zustimmung auf-gelöst werden dürfe. Aber das Unterhaus gab darum seine Racheplänegegen die Gefangenen nicht auf. Strafford wurde vor dem Oberhausedes Hochverrats angeklagt. Siebzehn Tage lang verteidigte er sich mitWürde und wies aufs überzeugendste nach, daß keiner der gegen ihn vol-lbrachten Klagepunkte als Hochverrat gedeutet werden könne. SeineGründe machten die Lords betroffen; seine Verteidigungsrede war von soMächtiger Wirkung, daß man seine Freisprechung erwartete. Da schrittdas Unterhaus zu einem despotischen Mittel; es nahm kraft seiner gesetz-gebenden Gewalt das Recht in Anspruch, in jedem einzelnen Falle zu be-stnnmen, was Hochverrat sei, und erklärte durch eine sogenannte biU ok