428 Drittes Buch: Ende der spanisch-katholischen Vorherrschaft (1618—1660). H 253.
noch die Eroberung von Canea und Retsimo; da er aber zu den Kriegs-kosten auch die Geistlichkeit heranzog und dem Übermut der Janitscharenentgegentrat, so verbündeten sich die Ulemas (II, 8 385) mit den Jani-tscharen und bewirkten, daß der Mufti Abderrhaman den Sultan für ab-ü.Sept. 1648 gesetzt erklärte und seinen erst sieben oder zehn Jahre alten Sohn Mo-hammed IV. zum Nachfolger ausrief; bald darauf wurde Ibrahim ermordet.m°d iv Unter Mohammed IV. rangen zunächst seine Mutter Tarchan undseine Großmutter Kösem um den maßgebenden Einfluß, bis die letztere grau-IS5I sam ermordet wurde. Im Zusammenhange damit standen Meutereien derJanitscharen, die vom Sultan die Hinrichtung seiner vertrautesten Rat-geber erzwängen; dazu stieg die Finanznot so, daß die Abgaben erhöhtund die Münzen verschlechtert wurden. Zudem gewannen die Venetianeri«5o vor den Dardanellen einen glänzenden Sieg und eroberten Lemnosund Tenedos. In dieser Notlage ernannte der Sultan den MohammedS-pr. löse Köprili zum Großwesir; dieser und seine Söhne (die Dynastie der großenMSmmsd Wesire) haben nun das Reich nicht nur gerettet, sondern eine letzte PeriodeisW -1661 kriegerischen Aufschwungs herbeigeführt. Mohammed Köprili unterdrückteAchmsd die Intriguen des Harems, ließ die mächtige Sultanin-Walide im Namen1661-1676 ihres Sohnes schwören, daß alle Entscheidungen in seiner Hand liegenNrui sollten, warf mit harter Grausamkeit, mit Mitteln, die an Murad IV.168 S-I 6 SI erinnerten, die meuternden Janitscharen und die Empörer in den Pro-vinzen nieder (30 000 Opfer sollen gefallen sein, in Aleppo wurden30 Paschas überrumpelt und getötet) und rüstete energisch für den aus-wärtigen Krieg. In einer dreitägigen Seeschlacht vor den Darda-I6S? nellen, in der das venetianische Admiralschiff in die Luft flog und dervenetianische Admiral Lazzaro Mocenigo den Tod fand, gewannen dieTürken einen großen Erfolg, nahmen Tenedos und Lemnos wieder undentfalteten auf Kreta weit größere Energie als bisher (H 303). Dazu abergriff Köprili in die Verhältnisse Siebenbürgens ein.
Sieben- Wir haben die Lage Siebenbürgens früher charakterisiert und seine Geschichte bis
bnrge» Anfang des 17. Jahrhunderts versolgt (8 181, 182). Der Umstand, daß Österreich
und die Türkei sich die Oberhoheit über Siebenbürgen streitig machten, mußte der Selbst-ständigkeit seiner Fürsten zugute kommen; dazu eröffnete der Ausbruch des DreißigjährigenGabriel Krieges Bethlen Gabor (8 182) die Aussicht, entscheidend in das Schicksal Österreichs161 S-IWS »üb Deutschlands einzugreifen, dies um so mehr, als er sich 1626 mit Katharina, der Schwesterdes Kurfürsten von Brandenburg, vermählte (8 199). Wir wissen aber, daß er sich wiedec-1622 , 1626 holt (8 195, 199) gegen verhältnismäßig geringe Zugeständnisse zu unzeitigen Friedens-schlüssen mit dein Kaiser bestimmen ließ. Nach Bethlen Gabors Tode wurde seine WitweI 62 s-i 6 go Katharina von Brandenburg Fürstin, sein Bruder Stephan Bethlen Gubernator.
Bald aber entstanden zwischen ihnen Streitigkeiten und Konflikte mit den Ständen, undGeorg I. so wurde denn Georg!. Rakoczy, der Sohn des Fürsten Sigismund (8 181), zürnIM-I 648 Mrsten gewählt. Er wurde vom Kaiser, der wegen der von Gustav Adolf drohenden Ge-fahr im Osten Frieden haben wollte, anerkannt, schloß sich aber an die Türkei an. Gegenden Kaiser begann er 1644 im Einvernehmen mit Schweden und Frankreich einen Feldzug,während gleichzeitig Torstenson die kaiserlichen Erblande bedrängte (8 213). Der Kaiserbestimmte den Sultan dazu, seinem Vasallen die Fortsetzung des Krieges zu untersagen und164S schloß dann mit Rakoczy den Frieden von Linz, in dem er ihm fünf ungarische Pala-tinate überließ und den ungarischen Protestanten, von denen Rakoczy als Vorkämpfer ihresGlaubens begrüßt worden war, religiöse Duldung zusicherte. Georgs !. Sohn und Nach-Rawczy solgcr Georg II. Rakoczy nahm als Verbündeter Schwedens an dem Kriege zwischen1648—I6S8 Karl X. von Schweden und Johann Kasimir von Polen teil, hatte aber dabei keinen Er-^ folg (8 247). Die Pforte erblickte darin eine unzulässige Eigenmächtigkeit ihres VasallenI6L8 und verlangte seine Absetzung. Da Rakoczy sich nicht fügte, eröffnete Mohammed KöpriliBarclay den Feldzug gegen Siebenbürgen und übertrug Achaz Barcsal) die Fürstenwürde. Weil