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Dritter Band.
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8 254. Fünftes Kapitel: Literatur von 1618 bis 1660. Kunst des Barocks.

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SchotteUus

1612-1676

Regellosigkeit, unter denen die Sprache litt, waren die Schad- A^chter-

schule

Gekrönte Blumenorden an der Pegnitz von 1644. Er war das Werk des Nürn- Harsdörferberger Ratsherrn Philipp Harsdörfer und des Johann Klaj (Clajus) aus Meißen, der isa?erst Lehrer in Nürnberg, dann Prediger in Kitzingen war. Seine Dramen, wie Herodcs, ism—isz«verdienen Beachtung; bekannter machten ihn seine Gedichte zum Westfälischen Frieden. DasPegnesische Dichterbuch gab er gemeinsam mit Harsdörfer heraus. Dieser sammelteseine geistlichen und weltlichen Gedichte in Nathan und Jotham; danebenschrieb er Novellen. Doch lebt er nur fort in seiner Poetik: Poetischer Trichter,die deutsche Dichtkunst in sechs Stunden einzugießen, mit dem das Miß-verständnis vom Wesen der Kunst den Gipfel erreichte. Gegenüber den inzwischen zur Vor-herrschaft gelangten Schlesischen Schulen erstrebten die Pegnitzschäfer Anmut und Zierlich,keit, die freilich bald in Tändelei ausarteten, und engen Anschluß an den Wohllaut unddie Klangfülle der romanischen Literaturen. Ihre Erzeugnisse wurden mehrfach gesammelt, soin der Pegnitzschäferei von Klaj und Siegmund von Birken (Betulius), dem späteren sgzg^s'Haupte des Ordens. In der Versmacherei und Schüferspielerei blieb Betulius unüber-troffen. Die Mitglieder des Blumenordens nannten sich mit Schäfernamen; als Abzeichentrugen sie Blumen. Zu dem anfänglichen Sinnbilde des Ordens, der Panpfeise, kam späterdie Passionsblume, ein Hinweis auf den Übergang von der Schäferdichtung zum geistlichenLiede, dem sich namentlich Georg Schottelius, Konsistorialrat in Wolfenbüttel, widmete.

Er breitete den Orden auch über Norddeutschland aus und sicherte ihm dort durchseine außerordentliche Sprachkenntnis und seine sprachwissenschaftlichen Werke Einfluß undAnsetzn.

Roheit und

linge auch der Verskunst, deren Verständnis so weit abhanden gekommen war,daß man die Silben einfach zählte, unbekümmert um ihre Länge und Kürze.

Was Wunder, wenn feineres Gefühl Rettung aus der Formlosigkeit und auchder aller Phantasie baren Jnhaltsöde bei fremdländischen Mustern, vor allemleider bei dem schwülstigen, bilderreichen Italiener Marini (ß 259) suchte undsich an dem freilich schleppenden, aber wenigstens streng regelrichtigen heroi-schen Alexandriner (II, Z 355) der Franzosen schulte.

Abhilfe der Übelstände wurde von verschiedenen Seiten aus angestrebt. InHeidelberg wie auf dem Hornsteine und in den literarischen Orden galt esim Grunde das gleiche rühmliche Ziel. Durchschlagenden Erfolg hatte indessenerst Martin Opitz aus Bunzlau, nur daß die Tätigkeit dieses Vaters undWiederherstellers der Dichtkunst ihrem ganzen Umfange nach auf demGegensatze zu allem, was volkstümlich heißt, beruht.

Er drang auf Reinigung der Sprache von landläufiger Stümperei und Verlotterung.

Den Tabulatoren der Meistersinger setzte er ein neues Gesetzbuch entgegen in dem WerkchenVon der deutschen Poeterei. Er Verbannte den üblichen Knittelvers und empfahldafür den Alexandriner. Er erschloß endlich den Zeitgenossen wieder das Verständnis fürdie deutsche Silbenmessung mit dem Nachweise, daß für uns der Wortton Länge oder Kürzebestimme und in Einklang mit dem Verstone gebracht werden müsse; nicht etwa als ob,wer diese Regel befolge, dadurch schon Dichter sei, aber kein echter Dichter dürfe dagegenverstoßen. Weiterhin schützte er die deutsche Dichtkunst, wie er sie auffaßte, gegen das Vor-urteil der Gelehrten und gegen das Mißtrauen sittenrichterlicher Engherzigkeit. In jenemSinne empfahl er eindringlichst das Studium altklassischer Vorbilder, wodurch er un-absichtlich der Einwanderung der heidnischen Götter in die Dichtung Tür und Tor öffnete;sittliche Bedenken beschwichtigte er durch den Grundsatz, die Poesie solle lehren und nützenwie die Philosophie, nur mit dem Unterschiede, daß sie lehre und nütze, indem sie ergötze,was wiederum eine üble Folge hatte, indem die lehrhaste Dichtung überwucherte. Sie ent-sprach freilich vorzugsweise Opitzens Anlage, deren Vorzüge, klarste VerstandeSmäßigkeitund Denkrichtigkeit, ihn von Epos, Lyrik und Drama gleichweit entfernten. Zwar hat erstch besonders gegen das Ende seines Lebens mit geistlichen Liedern und Übersetzungen derPsalmen, des Hohenliedes u. ä. beschäftigt, aber die vollendete Form, Sprache und Vers-kunst verhüllen den Mangel an Phantasie, Empfindung und besonders musikalischem Gefühlhur schlecht. Ebenso ist sein Drama Judith nur ein Werk des Verstandes. Doch warchm auf diesem Felde ein geschichtlicher Erfolg beschieden. In der Dafne nämlich, die^pch aus dem Italienischen des Rinuccini (Z 189, 190) übersetzte und der „Vater derkutschen Musik", Kapellmeister Schütz (Z 190) in Dresden, komponierte, hat man die erstekutsche Oper zu sehen. Als Muster der dramatischen Kunst, die ihm vorschwebte, waren