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Dritter Band.
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8 260. Fünftes Kapitel: Literatur von 1618 bis 1660. Kunst des Barocks.

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Die Lyrik fand ihre Vorbilder bei den Odendichtern des Altertums oder Lyr»in den mehr klangvollen als gefühlstiefen Sonetten und Kanzonen Petrarcas(II ß 330).

Er blieb auch dann noch maßgebend, als der erwähnte Ehiäbrera und sein SchülerJusti, die sogenannten Pindaristen, in freierer und selbständiger Auffassung der alt- Justi,klassischen Muster ernste Anläufe zu einer nationalen Dichtung nahmen und für dieses ^ ^u>4bStreben zahlreiche Anhänger gewannen.

Der ärgste Schädling der Dichtkunst dieses Zeitraums wurde aber der MarinismusMarinismus.

Giambattista Marini, ein Neapolitaner, vereinte in seinen Werken alles, was anUnnatur in jenen Tagen umging, wurde aber eben dadurch der Abgott eines Volkes vonverbildetem, ja verrohtem Geschmacke, der Gegenstand allgemeiner Bewunderung und dasVorbild zahlreicher Nachahmer in Epik, Lyrik und Schäferdichtung. An Erfindung,lebendiger Darstellung, Fluß und Wohllaut der Rede wie des Verses dem Tasso Wohlvergleichbar, war er durch den häufigen Gebrauch gesuchter Bilder, durch falsche Gedanken-und Vorspiele, sogenannte oonostti, endlich durch seine Vorliebe für sinnenkitzelnde Schilderungensein reiner Gegensatz. Dieser Marinismus hat in Italien und auswärts mehr als anderesden Geschmack des Jahrhunderts verdorben und gefälscht. Marini selbst beherrschte inKims amoross, raaritiius, bosolisrscos, sroiobo, InAubii (Liebes-, See-, Wald-, Helden-,Trauerliedern) die Sonett- oder Kanzonenform vollkommen, auch als guten Erzähler weisenihn I-a straZs äoZIi inuovsuti (Bethlehemitischer Kindermord) aus. Zum Gesetzgeberdes Zeitgeschmackes machte ihn aber das Schäfergedicht in 20 Gesängen, Adonis.

L. Die Wissenschaften.

§ 26 V. Philosophie. Philologie. Geschichte. Himmelskunde. Das philo- *sophische Denken dieses Zeitraums erhält seine Richtung und seine Eigenartdurch Rens Descartes (Renatus Cartesius) aus der Touraine. Wie Baco ^^«50(8 191) von der Unhaltbarkeit der bisherigen Philosophie überzeugt, fand ereinen Ausweg aus ihrem Wirrsale, im Gegensatze zu Bacos Sensualismus, nachdem alle Erkenntnis durch die äußeren Sinne vermittelt wird, in einem auffreies, nur mit Vernunftgründen arbeitendes Denken (Spekulation) gegründetenSysteme (Idealismus).

Gegenüber dem unbedingt gebotenen Zweifel an allem steht nur eins fest, die Ge-wißheit des eigenen Seins, die uns von unserem Denken verbürgt wird: eogito, srZo suiu(Ich denke, also bin ich), das ist der Ausgangspunkt der Cartesianischen Philosophie. Ausdem Selbstbewußtsein im Denken schließt er auf das Sein der denkenden Substanz, der Seele,und aus der ihr innewohnenden Vorstellung eines schlechthin vollkommenen Wesens folgerter das Dasein eines solchen Wesens, ohne das diese Vorstellung unmöglich wäre. In der-selben Weise ergibt sich aus den übrigen Ideen der Dinge, die wir klar und deutlicherkennen, das wirkliche Sein auch dieser. Die körperlichen Substanzen entwickelt Descartesaus einer Urmaterie, die nichts anderes als die reine, in Tätigkeit begriffene Ausdehnungsei. Die Seele ist nach ihm srei und unsterblich. So bildete er eine Lehre aus, „die durchihren Gegensatz zu den damals verbreitctsten Ansichten der philosophischen Schulen, durchdie Doktrinen über die verborgenen Qualitäten, die Endursachen, das Leere, durch den Scharf-sinn ihrer Ausführung und durch ihre rationalistische Tendenz ein sehr wirksames Ferment dergeistigen Bewegung der neueren Jahrhunderte geworden ist." — Descartes schrieb seineweiften Werke in Holland, wohin er sich nach mehrjährigem Kriegsdienste unter Moritz vonOranien u. a. zurückgezogen hatte. „Die Luft von Paris", soll er geäußert haben, „ver-hindert das abstrakte Denken," wenigstens hätte er für seine freieren Ansichten an derSorbonne und an dem rechtgläubigen Hofe große Widersacher gefunden. In seinen letztenLebensjahren folgte er dem Rufe Christinens (8 246) nach Schweden; er starb in Stockholm.

Trotz seiner Kirchlichkeit erfuhr der Cartesianismus viele Angriffe, nament-«ch von den Jesuiten. Aber auch die zünftige Philosophie rüttelte an seinerGrundlage, der Spekulation.

Thomas Hobbes zog mit äußerster Entschiedenheit aus Bacos (8 191) Lehren diewtzten Folgerungen. Danach stammt alle Erkenntnis aus der Sinnentätigkeit und beziehtnch nur auf die Sinnenwelt; zu dieser gehört auch die menschliche Seele. Dieser materialistische