672 Viertes Buch: Das Zeitalter deS Absolutismus (1660—1740). Z 368.
interessieren (Bilder in den Uffizien, im Prado und in Turin). Bleibenden Ruhm gewannen? 7 »s—isa»" die Kupferstecher Giovanni Volpato (Raffaels Fresken), Raffael Morghen ausR. Morghen Portici, Volpatos Schwiegersohn (Gemälde Raffaels und Leonardos Abendmahl), Giuseppe1758-1833 Longhi (Raffaels Vision des Ezechiel, Sposalizio, Madonna del divino Amore, Napo-G. Longhi Kon I. in dem Gefecht bei Arcole) und dessen Schüler Pietro Anderloni (Tizians Ehe-P And-rloni ^cherin, Vertreibung Helidors nach Raffaels Fresko, Madonna im Grünen, Madonna del1781-1849 Passcggio).
Spanien In Spanien erlebt Murillos Kunst noch eine schwächliche Nachblicke in den Werken"'tuga^ des Hofmalers Don Alonso Miguel de Tobar (h. Familie, Nuestra Senora delB. de Llo- Consuela, in der Kathedrale in Sevilla) und des Don BernardoGerman deLlorenterente (Divina Pastora, die h. Jungfrau als Schäferin im Prado). Der Portugiese AntonioA^ds^Tobar^ Sequeira studiert in Lissabon und Rom und malt das Jüngste Gericht in der Samm-1878—1158 lung de Sonza-Holstein. In dieser Zeit des Niederganges ersteht der spanischen Kunst derA. de Ss- letzte geniale Künstler, in dem Aragonier Francisco Josö de Goya y Lucientes,1788-1837 geboren in Fuentetodos bei Zaragoza am 30. März 1746. Durchaus national, ist er dochF. ds Goya ganz anders geartet als seine großen Vorgänger, und vielseitiger als diese erschloß er der1746—1828 Kunst neue Wege in der Behandlung von Licht und Luft, wie in der frappanten Wiedergabedes Bewegten; so wurde er der Vorläufer der Impressionisten (IV, A 399): Manet, EugtneCarritre und Dcgas knüpfen unmittelbar an ihn an. Mit dreizehn Jahren kam er in die^j- 1785 " Werkstatt des Malers Josö Luzan h Martine; in Zaragoza, dessen Bilder, Figuren inTiepolos Art, treffliche Zeichnung und harmonische Farbengebung besitzen. Er selbst be-zeichnet später die Natur, Velazquez und Rembrandt als seine Lehrmeister. Ein nächtlicherZusammenstoß, bei dem es drei Tote gab, ließ ihn (1765) nach Madrid entweichen, und nachvierjährigem Aufenthalte zwang ihn ein romantisches Abenteuer, in dem er einen Dolchstichdavontrug, nach Rom zu fliehen, wo er namentlich das wimmelnde Volksleben studierte.In Italien entstand sein erstes größeres Gemälde „Hannibal auf der Höhe der Alpen";1771 war er wieder in Zaragoza, wo er die Seüora del Pilar mit Gewölbefresken (Gott Vaterin Engelscharen) schmückte und die Kartause Aula Dei, in der Nähe der Stadt, ausmalte(Leben der Maria, unter dem Einfluß Tiepolos). 1775 verheiratete er sich in Madrid mitJosefa Bayeu, der Schwester seines Studicngcnossen Francisco. Durch Mengs (IV, § 98)erhielt er den Auftrag, für die königliche Gobelinmanufaktur von S. Barbara in MadridZeichnungen zu entwerfen; bis 1791 entstanden so 45 Kartons (Vorwürfe, die an Tcniers'Bilder erinnern: Bauerntanz, Rauferei, Spaziergang, der Straßensänger, Töpfermarkt, Ball-spiel, Hochzeitszug, Blindekuh, Wäscherinnen u. a., jetzt im Prado). Durch Mengs demKönig Karl III. empfohlen, wurde Goya Mitglied und nach fünf Jahren Direktor derAkademie (1785). In dieser Zeit entstanden eine Reihe Sittenbilder: der Reiseunfall, dieüberfallene Postkutsche, die Schaukel, die Cucaüa (Kletterbaum), Hexen- und Spukbilder,Auswahl der Stiere für die Corrida (früher im Schloß Alameda beim Herzog von Osuna,jetzt im Besitz Duc de Moutellano in Madrid), Karneval, Flagellantcnprozessiou, Gerichts-sitzung der Inquisition, das Irrenhaus (Akademie von S. Ferdinands), Majas (Manolas,Mädchen) auf dem Balkan (im Besitz der Komtesse de Paris). 1798 schuf er innerhalb dreierMonate die realistischen Fresken in der Kirche S. Antonio de la Florida bei Madrid (imKuppelgewölbe: der h. Antonius erweckt einen Toten; unter den Zuschauer- und Engelgruppenallerhand Bolkstypen, Bildnisse von der Straße). In seinen Porträts schildert er die ganzevornehme Welt Madrids mit unerbittlicher Wahrheit: den unfähigen König Karl IV.,dessen sittenlose Gemahlin Maria Luise von Parma, die königliche Familie (großes Gruppen-bild, mit dem Maler im Hintergrund, „eine Krämerfamilie, die das große Los gewonnenhat", urteilt Theophile Gautier), Brustbild der Königin (im Prado, 55 Bildnisse derköniglichen Familie wurden von Goya gemalt), ihr unwürdiger Günstling Don ManuelGodoy (Akademie), König Ferdinand VII. (bei Visconde de Val de Erro und in derAkademie, Reiterbild), die Herzogin von Alba (Goyas Gönnerin, Madrid, Palacio de Liria),Goya und die Herzogin von Alba (Madrid, Marques de la Romana), Marques« de Pontejos(Madrid, Marquesa de Martorell), die Schauspielerin Tirana (Akademie), Donna JsabelCorbo de Parcel (das temperamentvollste Bildnis von Goyas Hand, 1806, London, NationalGallery), Don Ramon Satue (bei Dr. Carvallo in Paris), der französische Gesandte Guille-mardet (Louvre), Jesuitenpatcr Juan Antonio Llorente (der berühmte Geschichtschreiber derInquisition, Berlin, Privatbesitz), die Dichter Gaspar Mclchor de Jovellanos (Madrid,Marquesa de Villamejor), Don Juan Antonio Melendez Baldes (Bowes Museum, BarnardCastle) und Don Leaudro Fernandez de Moratin (Akademie S. Fernando), Bildnis seinerFrau Josefa Bayeu und seines Schwagers, des klassizistischen Malers Francisco Bayeu ySubias (Prado), Selbstbildnisse Goyas in Madrid im Prado (1826), in der Akademie (1815),