Band 
Dritter Band.
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Sechstes Buch: Südosteuropa und Asien.

ß 429.

Eine für das Reich sehr gefährliche Nebenwirkung des unglücklichenKrieges war, daß sich in den Provinzen die Selbständigkeitsgelüstestärker regten und von den Russen unterstützt wurden.

Syrien Es geschah das vor allem in Syrien und Ägypten. Dort lehnte sich der Scheich

». gyp °n hier Ali Bey gegen die Pforte auf. Ali war einer der 24 Beys der Mamluken

(ll, 8 380): er verstand es, die übrigen Beys von sich abhängig zu machen, vertrieb den17W türkischen Pascha und machte siä) beim Beginn des russischen Krieges zum Sultan vonÄgypten. Er trat mit Tahir in Verbindung und wollte seine Herrschaft auch über Mekka1770 und Syrien ausdehnen. Indes sein eigener Schwiegersohn Mohammed Bey übte, von den1772 Türken bestochen, an Ali Verrat, bemächtigte sich Kairos im Namen des Sultans undwurde Pascha von Ägypten. Bei dem Versuche, von Syrien aus Ägypten wieder zu erobern,wurde Ali von Murad Bey, dem Führer einer von Mohammed abgesandten Mamluken-177» schar, gefangengenommen und starb wenige Tage daraus. Mohammed wollte nun auchSyrien dem Sultan unterwerfen, starb aber auf dem Feldzug dorthin; au seiner Stellewurde der Kapudan-Pascha Hasan mit der von ihm in guten Stand gesetzten Flotte nach1175 Akka, dem Hauptstützpunkt Tahirs, entsandt. Da Tahir im Kämpfe fiel, gelang es Hasan,die türkische Herrschaft in Syrien wiederherzustellen. In Ägypten waren inzwischen nachMohammeds Tode erbitterte Kämpfe unter den in zwei Parteien (Anhänger Alis undMohammeds) zerfallenen Mamlukeubeys ausgebrochen: sie endeten damit, daß Murad und178 » Ibrahim gemeinsam die Herrschaft gewannen und dabei die Oberhoheit der Pforte nurdurch eine Tributzahlung anerkannten. Um der Gewaltherrschaft der Mamlukeubeys einEnde zu machen, erschien 1786 der Kapudan-Pascha Hasan in Ägypten; er besiegte die Beyszwar, mußte sie dann aber doch in ihrer Herrschaft bestätigen, als der neue Krieg gegenRußland und Österreich ausbrach (H 413). So blieb die Lage, bis Napoleon in Ägyptenerschien (IV, 8 28). Wahrend dieser Kämpfe in Syrien und Ägypten hatte die Pforte auchmit Unbotmäßigkeiten in Bagdad, Albanien und Morea zu ringen.

I 7 S 7 - 17 SL Bei der schwierigen Lage des Reiches kam der Pforte der Krieggegen Rußland und Österreich natürlich sehr ungelegen. Wirkennen die Wandlungen, die die osteuropäische Politik seit dem Friedenvon Kütschük-Kainardschi genommen hatte, kennen die Pläne Katharinas II.und Josephs II. und wissen, daß deren Bündnis im letzten Grunde aufeine Teilung der europäischen Türkei abzielte und dem Sultan die Mög-lichkeit nahm, beide Mächte gegeneinander auszuspielen (ß 396, 413). Nochwährend des für die Türkei ungünstigen Krieges starb Abdul Hamid I.;17 W-U 07 es folgte ihm Mustafas III. Sohn S elim III. Obgleich dieser mehr Energiebesaß, als sein Vorgänger, vermochte er den Sieg doch nicht an die türki-schen Fahnen zu fesseln. Die Pforte dankte es nur dem belgischen undungarischen Ausstande, der Intervention Preußens, dem Tode Josephs II.und Potemkins, daß der Friede von Jafsy ihr verhältnismäßig geringei7SL Verluste brachte (Z 414); immerhin aber war nun die ganze Nordküste desSchwarzen Meeres russisch. Nach Beendigung des Krieges plante SelimReformen in großem Stile: man hat ihn als ersten Reformer derTürkei, als Vertreter des aufgeklärten Absolutismus bezeichnet. Er wolltedie Finanzen ordnen, die Janitscharen durch neue, europäisch geschulteTruppen ersetzen, die Paschas in den Provinzen zu wirklichen Beamtenmachen und die Lage der Christen bessern. Er hat darüber seinen Unter-gang gefunden (IV, 146); aber der Reformgedanke ist seitdem nichtwieder geschwunden; neben ihm blieben für das weitere Schicksal desOsmanischen Reiches am wichtigsten die russischen Eroberungspläne unddie Unabhängigkeitsbestrebungen in den Provinzen.

Walachei Die Moldau und Walachei, aus denen das heutige Königreich Rumänien hervor-gegangen ist, waren Vasallenstaaten der Türkei. Für die Walachei, die vorher zumeistunter ungarischer Oberherrschaft gestanden hatte, begann die türkische Hoheit, wenn nichtschon früher (1411), so doch 1460 mit einem Vertrage, den der Woiwode (Fürst) Vlad IV.mit dem Sultan Mohammed II., dem Eroberer Konstantinopels, abschloß. Danach behielt