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Dritter Band.
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806 Rückblick und Ausblick. 8 435.

sich der persönliche und staatliche Individualismus, den wirals eine Kraft der Neuzeit erkannt haben (ß 1).ttch»°Jndi- D"s wichtigste Betätigungsgebiet des persönlichen Individualismusviimattsmusp,ar das religiöse. Hier kam er in den Anfängen der Reformation, inder sich die persönliche Überzeugung dem durch Staat und Kirche geschütztenAutoritätsglauben entgegensetzte, zur Geltung. Indes die alte Kirchenahm, in jesuitischer Ausbildung gekräftigt, den Kampf dagegen auf, undzwar als einen prinzipiellen Kampf, und sie hat ihre Position bis heutesiegreich behauptet. Aber auch die neue Kirche hat den großen Gedanken,aus dem sie geboren wurde, nicht rein bewahren können. Das schwere Pro-blem, das Recht persönlichen Glaubens mit der Organisation einer Ge-meinde zu verbinden, ist nicht voll gelöst worden. Die lutherische Ortho-doxie trat dem einzelnen mit ganz ähnlicher Autorität entgegen, wie derKatholizismus: ihr gegenüber hat sich das Täufertum um die Wahrungdes erhabensten Gedankens der Reformation große Verdienste erworben, underst der Pietismus und die Aufklärung haben diesem wieder Geltung ver-schafft. Auch auf katholischem Boden hat die Aufklärung in diesem Sinnegewirkt. Gelöst freilich sind die Probleme noch nicht.

Im Zusammenhang mit dieser rein religiösen Frage, die es nur mitdem einzelnen zu tun hat, steht die Frage des Nebeneinanders mehrererKonfessionen, und diese Frage ist nach langem Ringen in unserer Periodedurch die Anerkennung des paritätischen Staates gelöst worden.Die kirchliche Einheit der abendländischen Christenheit, wie sie die Papst-kirche darstellte, wurde durch die Reformation gesprengt. Indes die alteKirche verweigerte im Bunde mit der Staatsgewalt der neuen Richtungdie Duldung. Da kam es für diese zunächst darauf an, ob auch sie sichmit Staatsgewalten verbinden könnte. Das geschah in den nordgermanischenStaaten England, Dänemark, Schweden; hier erhielt die kirchliche Be-wegung einen nationalen Charakter und stärkte den nationalen Staat.In Deutschland gelang es nicht, die Reichsgewalt für die neuen Ideenzu gewinnen; hier fanden sie ihre Vertreter in den Landesregierungen.Nun galt es, den so entstehenden Landeskirchen reichsgesetzliche Geltungzu verschaffen: das geschah in der Anerkennung der landesherrlichen Kirchen-hoheit. Damit aber war immer noch daran festgehalten, daß in einemStaate nur eine Kirche zuzulassen sei. Es hat noch ein Jahrhundert ge-dauert, ehe im Westfälischen Frieden das Nebeneinander mehrererKonfessionen in demselben Staate prinzipiell zugestanden wurde.Damit war der Gedanke des paritätischen Staates gewonnen, und wenndieser Gedanke noch lange nicht rein in die Erscheinung trat, so ist er docheine der wichtigsten Errungenschaften der Religionskämpfe. Blieb das Rechtder persönlichen Religion innerhalb der Kirchen noch unsicher: innerhalbdes Staates hatte sich das Nebeneinander der Konfessionen durchgesetzt,b) Staat. Neben dem kirchlichen Universalismus herrschte im Mittelalter der-iduEmus Gedanke des staatlichen Universalismus, d. h. der Gedanke, daßes eigentlich nur einen Weltherrn gäbe, den römischen Kaiser. Dieseimperialistische Idee erlitt durch den mittelalterlichen Kampf zwischenKaisertum und Papsttum schweren Schaden, ging aber mit dem Zu-sammenbrach des mittelalterlichen Kaisertums nicht zugrunde, sondernnahm nur andere Formen an. Das Königreich Spanien, der stärkste derim Gegensatz zum Kaisertum entstandenen peripherischen Staaten Europas,