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Katzen.
erkannt. Die Katze besitzt also ein ungemein feines Gehör. Daraufdeuten auch die beweglichen Ohrmuscheln hin, deren Öffnungen beimLauschen nach vorn gerichtet werden.
2. Ebenso sicher kann die Katze sich auf die Augen verlassen, dieselbst während der Nacht scharf sind. Je dunkler es wird, je wenigerLichtstrahlen demnach in das Auge eindringen, desto mehr erweitert sichdie von der meist grünen Regenbogenhaut gebildete Pupille. Währendsie in der Dämmerung und im Dunkeln fast einen Kreis darstellt, wirdsie am Tage zu einem schmalen, senkrechten Spalte zusammengezogen.Ist das Licht auch jetzt noch zu stark, so schnellt vom inneren Augen-winkel her eine durchscheinende, elastische Nickhaut über den etwaseingezogenen Augapfel hinweg. Nimmt dieser seine ursprüngliche Lagewieder ein, so wird die Haut zurückgedrängt.
Einer Schicht der Aderhaut, die man als Tapetum 1 ) bezeichnet, sind zahlreiche spie-gelnde Kristalle eingelagert. Durch sie werden die in das Auge eintretenden Lichtstrahlenzurückgeworfen, so daß das Katzenauge im Dunkeln leuchtet.
3. Wie für den Menschen ist der Tastsinn für die Katze im Finsternbesonders wichtig. Er ist außerordentlich scharf und hat seinen Sitz inerster Linie an den Wurzeln der Schnurrhaare. Auch die langen Haare,die sich oberhalb der Augen sowie vereinzelt am ganzen Körper finden,sind Tastwerkzeuge. — Der Geruchsinn der Katze dagegen ist ziem-lich stumpf.
Wie die Katze ihre Beute erhascht.
5. Hat die Katze eine Beute wahrgenommen, so schleicht sie nahean diese heran. Die Glieder ihrer Zehen (Finger) sind so gestellt, daß
beim Gehen nur die Teile der Trittfläche,die unter den Enden der Mittelfußkno-chen und den letzten Zehengliedem Kegen,den Boden berühren. An diesen StellenD der sonst mit Haaren besetzten Tritt-fläche finden sich weiche, unbehaarteBallen, die sich treffend mit Gummi-sohlen vergleichen lassen. Die Katze gehtdaher so leise einher, daß sie die Beuteunbemerkt zu beschleichen vermag.
6. Ist sie dem Tiere nahe genug ge-kommen, so sucht sie es im Sprunge zuergreifen. Hierbei geht sie — ährüich wieder Mensch, der einen Sprung aus demStande ausführen will — zuerst in eineso tiefe „Kniebeuge“ über, daß sie mit dem Rumpfe den Boden berührt,um darauf durch plötzliches Strecken der Beine den Körper hoch- odervorzuwerfen. Die Hauptarbeit leisten hierbei die muskulösen Hinterbeinedie infolge ihrer Länge weit unter den Rumpf gestellt werden können.
1) Von tapitum, Teppich, Tapete.
Linker Vorderfuß der Hauskatze;Unterseite. 1 mit eingezogenen und2 mit vorgestreckten Krallen. D derverkümmerte Daumen.