Band 
I. Teil.
Seite
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Die Zeit der Reformation und der Religionskriege.

S3

mein Sach ist, daß er dem wolle gnädig sein. Erhält er nur dem dieSachen, so ist sie mir schon erhalten; will er's aber dem nicht erhalten,so werd ich's ihm auch nicht erhalten können; so muß er die Schandtragen."

Ms Martinus nun gen Augsburg zum Kardinal käme, hat sich der-selbe in sein Majestät gesetzt; und weil es sehr ein hoffärtig Mann war,brüstet er sich, als ob er selbst Papst wäre. Und ehe er die Handlungmit Luthers fürnahm, sprach er: „Vratsr, guiä äoouisti?" antwortLutherus: „lutsrroZusos, HUI ms auckisrunt, üi sviuiw, guiä äooueiimsZo ..." Darnach legt der Kardinal dem Luther drei Stück für, dieer kurzum tun sollt:

1. Er sollt sich wiederum besinnen, bekehren und seinen Irrtumwiderrufen.

2. Sollt zusagen, daß er sich für denselben Jrrtumen hüten wollt.

3. Sollt sich alles des enthalten, dadurch die heilig Kirch verun-ruhigt möchte werden.

Darauf Lutherus antwort, er wüßt sich keines Irrtums noch Ver-unruhigung der Kirchen schuldig; so er aber derselben überweiset würd,wollt er gem widerrufen. Der Kardinal bracht Herfür zwei Stück ausden proxositiomdus Imtbsri, nämlich, daß er'geschriebenhätt, das LeidenChristi wär nicht der Schatz, daraus die Ablaßprediger die Vergebungder Sünd zu verkaufen hätten. Item, daß der Glaub von nöten seinsollt zu der Empfahung des hochwürdigen Sakraments. Do aber Lutherusmündlich und schriftlich diese beiden Artikel aus göttlicher heiliger Schriftbeweiset, wollt doch der hochmütig Legat nicht zufrieden sein. Aber alsLuther die öffentliche Wahrheit nicht widerrufen und Christum nichtverleugnen wollt, begab er sich doch endlich so weit, daß er still schweigenund femer nichts schreiben wollt, wu der Papst und Legat diejenen,so wider ihn schrieben und schrieen, auch schweigen einlegt. Aber der Legatwollt nicht; Luther und Christus sollten schweigen; jene sollten Machthaben, ihres Gefallens zu lästern.

Ich habe oft vom Luthers gehöret, daß ihn unser Herrgott nietiefer habe sinken lassen, denn do er so weit nachgab. So hat darnachCardinalis Campegius zu Augsburg zu Philippo Melanchthone jämmer-lich geklaget, daß Cajetanus sehr unweislich und übel getan hätte, daßer dasselb Mal dem Luthero diese Kondition abgeschlagen hätte.

Luther erböte sich endlich, dem Kardinal alle seine Gründe schrift-lich zuzustellen und darüber zu leiden das Erkenntnis der dreien hohenSchulen: Basel, Freiburg und Löwen. Kunnt aber auch nichts erlangen,sondern hieß einfach: Lsvooa, Rsvoea.

Es nahm der Kardinal Doktor Staupitz auch für, vermahnet ihn,er sollt, als ein oberster General Luthers, ihn zwingen, daß er wider-rufet. Do es aber Staupitz, er wäre denn mit Schrift überwunden.