Die Zeit der Reformation und der Religionskriege.
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Weiß E. F. G., ob ich etwas mehr tun möcht, wollt mir um Gotteswillen E. F. G. gnädiglich mitteilen. Ich will geme alles tun, allesleiden, daß ich nur nit weiter aufzustechen verursacht werde.
Denn aus der Revocation wird nichts.
E. K. F. G. untertäniger KapellanDoktor Martinus.
5. Die Disputation zu Leipzig. 1519.
a) Des Petrus Mosellanus Urteil über die Dispu-
tatoren.
M. hieß eigentlich Peter Schade, war gebürtig aus Brüttig bei Kochern an derMosel und lehrte an der Universität die klassischen Sprachen.
Es malt aber Petrus Mosellanus die Disputatoren also ab: Mar-tinus ist von mittlerer Statur, magern Leibes und von Sorgen undStudium so mitgenommen, daß man, wenn man ihn in der Nähesieht, fast alle Knochen zählen kann. Er ist im rechten Mannesalterund hat eine helle, durchdringende Stimme. Seine Gelehrsamkeit undSchriftkenntnis sind an ihm bewunderungswürdig, so daß er fast allesam Griffe hat. Griechisch und Hebräisch hat er so viel gelernt, daß erüber die Erklärungen urteilen kann. An dem Stoff der Rede fehlt esihm nicht, denn es steht ihm ein außerordentlicher Vorrat von Sachenund Worten zu Gebote. Im Leben und Umgang ist er höflich undfreundlich, hat nichts Finsteres oder Stolzes an sich und weiß sich in alleZeiten zu schicken. In Gesellschaft ist er angenehm, munter und allezeitsicher und heitern Angesichts, was auch seine Widersacher Böses im Schildeführen, so daß man wohl glauben muß, er nehme nicht ohne GottesBeistand so wichtige Sachen vor. Ziemlich allgemein legt man ihmaber übel aus, daß er in Bestrafung anderer rücksichtsloser und schärfersei, als jemand, der in der Theologie etwas Neues vorbringt, wagen darfoder als einem Theologen wohl ansteht. — Bei Karlstadt findet diesfast alles in geringerem Grade statt. Nur ist er von Statur kleiner,sein Gesicht ist schwarz und verbrannt, seine Stimme dumpf und un-angenehm, sein Gedächtnis schwächer, er ist leichter zum Zom geneigt.— Eck dagegen ist lang, stark gebaut und vierschrötig, hat eine volleund ganz deutsche Stimme, die aus einer gewaltigen Brust hervor-kommt, so daß er nicht bloß einen Schauspieler, sondern selbst einenAusrufer abgeben könnte, doch ist sie mehr rauh als deutlich. SeinGesicht, Augen und Züge sind von der Art, daß man eher einen Fleischeroder Soldaten als einen Theologen in ihm vermuten möchte. SeinGedächtnis ist ausgezeichnet, und wenn sein Verstand ebenso wäre,so müßte man ihn für ein vollendetes Werk der Natur halten: es fehltihm aber schnelle Fassungsgabe und Schärfe des Urteils. Daher kommt