100 Die Zeit der Reformation und der Religionskriege.
So hat Christus auch nicht allein für Petrus gebetet, sondern für alleApostel und Christen, wie er sagt Joh. 17, 9. 20: „Vater, ich bitte fürsie, die du mir gegeben hast, und nicht allein für sie, sondern für alle,die durch ihr Wort glauben an mich." — Überdies sind wir ja allePriester, wie oben gesagt ist. — So sollen wir mutig und frei wer-den und den Geist der Freiheit (wie ihn Paulus nennt) nichtlassen mit erdichteten Worten der Päpste abschrecken, sondem frischhindurch alles, was sie tun oder lassen, nach unserm gläubigenVerstand der Schrift richten. — Auch St. Paul strafte St. Peterals einen Irrigen, Gal. 2.
Die dritte Mauer fällt von selbst, wo diese ersten zwei fallen.Denn wo der Papst wider die Schrift handelt, sind wir schul-dig, der Schrift beizustehen, ihn zu strafen und zu zwingen nachdem Worte Christi Matth. 18, 15: „Sündigt dein Bruder wider dich, sogehe hin und sag's ihm zwischen dir und ihm allein,- hört er dich nicht,so sag es der Gemeinde; hört er die Gemeinde nicht, so halt ihnals einen Heiden!" — Soll ich ihn denn verklagen vor der Gemeinde,so muß ich sie ja zusammenbringen. Sie haben auch keinen Grundder Schrift, daß allein dem Papst gebühre, ein Konzil zu berufen. —So lesen wir Apostelgesch. 16, daß der Apostel Konzil nicht St. Peterberufen hat, sondem alle Apostel und die Ältesten. — Auch das be-rühmteste Konzil, das zu Nicäa, hat der Bischof von Rom wederberufen noch bestätigt, sondem der Kaiser Konstantinus, und nach ihmhaben viele andere Kaiser das gleiche getan, und doch sind es die aller-christlichsten Konzilien gewesen. —
Darum, wo es die Not fordert und der Papst ärgerlich der Christen-heit ist, soll dazu tun, wer am ersten kann, als ein treu Glieddes ganzen Körpers, daß ein recht frei Konzil werde, — wasniemand so wohl vermag als das weltliche Schwert, sonderlichdieweil sie nun auch Mitpriester sind. — Wäre das nicht ein unnatür-lich Beginnen, so ein Feuer in einer Stadt aufginge undjedermann sollte stille stehen, für und für brennen lassen, wasda brennen mag, allein darum, daß sie nicht die Macht des Bürger-meisters hätten oder das Feuer vielleicht an des BürgermeistersHaus anhübe? Ist nicht hier ein jeglicher Bürger schuldig, die andemzu bewegen und zu berufen? — Wo sich der Papst der Gewalt bedienenwollte, um zu wehren, ein frei Konzil zu machen, damit verhindertwerde die Bessemng der Kirche, so sollen wir ihn und seine Gewaltnicht ansehen, und wo er bannen und donnem würde, sollte mandas verachten als eines tollen Menschen Vornehmen. —
b) Von der Freiheit eines Christenmenschen.
Da das ganze Schriftchen im Zusammenhange gelesen werden möchte, sei aufReclam Nr. 1731 verwiesen und hier nur die wichtigste Stelle angeführt: