Band 
I. Teil.
Seite
203
JPEG-Download
 

Die Zeit des Absolutismus.

203

Er tadelte die Art, die alten Redner und Dichter in Schulen zu trak-tieren, da man bloß auf den Sinn der Redensart und Wörter geht,aber die Kunst im Reden und Dichten, ihre Schönheiten im ganzen,ihre Ökonomie und Einrichtung, kurz, das Feine im Geschmack derAlten nicht erkläret und begreiflich macht.

Kurz, der Herr wies eine ungemeine Einsicht, die der tausendsteGelehrte nicht hat . . .

Nuir war seine ganze Generalität und alle Majors von der Armeezusammen. Man rief ihn. Er sprang auf, nahm Hut und Stock undging ins große Zimmer, um die Befehle zum Marsche und zum Angriffeder österreichischen, Reichstruppen und Franzosen zu geben. In einerViertelstunde kam er wieder und setzte sein Gespräch fort, bis dreiviertelauf acht, als ob er weiter nichts Wichtiges zu tun hätte ....

32. Ansprache des Königs an seine Generale und Stabsoffiziere

am 4. Dezember 1757, dem Vorabend der Schlacht bei Leuthen.

Ihnen, meine Herren, ist es bekannt, daß es dem Prinzen vonLothringen gelungen ist, Schweidnitz zu erobern, den Herzog vonBevern zu schlagen und sich Meister von Breslau zu machen, währendich gezwungen war, den Fortschritten der Franzosen und ReichsvölkerEinhalt zu tun. Gn Teil von Schlesien, meine Hauptstadt und allemeine darin befindlich gewesnen Kriegsbedürfnisse sind verloren ge-gangen, und meine Widerwärtigkeiten würden aufs höchste gestiegensein, setzte ich nicht ein unbegrenztes Vertrauen in Ihren Mut, IhreStandhaftigkeit und Ihre Vaterlandsliebe, die Sie bei so vielen Ge-legenheiten mir bewiesen haben.

Ich erkenne diese dem Vaterlande und mir geleisteten Dienstemit der innigsten Rührung meines Herzens.

Es ist fast keiner unter Ihnen, der sich nicht durch eine großeehrenvolle Handlung ausgezeichnet hätte, und ich schmeichle mir daher,Sie werden bei vorfallender Gelegenheit nichts an dem mangelnlasten, was der Staat von Ihrer Tapferkeit zu fordern berechtigt ist.

Dieser Zeitpunkt rückt heran; ich würde glauben, nichts getanzu haben, ließe ich die Österreicher in dem Besitze von Schlesien.

Lasten Sie es sich also gesagt sein, ich werde gegen alle Regelnder Kunst die beinahe dreimal stärkere Armee des Prinzen Karl an-greifen, wo ich sie finde. Es ist hier nicht die Frage von der Anzahlder Feinde noch von der Wichtigkeit ihres gewählten Postens; allesdieses, hoffe ich, wird die Herzhaftigkeit meiner Truppen und dierichtige Befolgung meiner Dispositionen zu überwinden suchen.

Ich muß diesen Schritt wagen, oder es ist alles verloren; wirmüssen den Feind schlagen oder uns alle vor seinen Batterien be-graben lasten.