Band 
I. Teil.
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Die Zeit des Absolutismus.

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Meißen, 10. November 1760.

Aus dem Briefe, den ich Ihnen aus Torgau schrieb, müssen Siejetzt alles wissen, was mich angeht. Es wird Ihnen bekannt sein, daßmeine Quetschung nicht gefährlich war: die Kugel hatte einen Teil ihrerKraft verloren, weil sie erst einen dichten Pelz und einen Sammetrock,den ich anhatte, durchdrängen mußte: dadurch war das Brustbein imstande,ihrer Gewalt zu widerstehen; seien Sie indessen versichert, daß ich michdarum am wenigsten bekümmert habe, da Siegen oder Sterben meineinziger Gedanke ist. Ich habe die Österreicher bis an die Tore von Dres-den getrieben, wo sie ihr vorjähriges Lager bezogen haben, aus demalle meine Geschicklichkeit nicht vermag, sie zu vertreiben. Man sagt,daß die Stadt nicht mit Vorrat versehen ist. Ist das wahr, so wird viel-leicht der Hunger zustande bringen, was das Schwert nicht vermag.Bestehen indessen die Leute hartnäckig darauf, in ihrer Stellung zubleiben, so werde ich, wie im vorigen Winter, gezwungen sein, michauf außerordentlich enge Quartiere zu beschränken, und alle Truppenzur Bildung eines Kordons brauchen, um uns in Sachsen zu behaupten.Das ist allerdings eine traurige Aussicht und ein geringer Gewinn für diemaßlosen Beschwerden und Gefahren dieses Feldzuges.

Mitten unter so vielen Widerwärtigkeiten habe ich keine andreStütze als meine Philosophie; sie ist der Stab, auf den ich mich stütze,und mein einziger Trost in diesen unruhigen Zeiten, wo alles drunterund drüber geht . . .

38. Der König nnd Gellert

in Leipzig.

Brief Gellerts an Rabener.

Leipzig, 27. Januar 1761.

Der achtzehnte Dezember vorigen Jahres war der merkwürdigeTag, an welchem der Herr Professor Gellert nachmittags um drei Uhrin einem Schlafrocke, in einer weißen Mütze emballiert und gar nicht wohl,an seinem Pulte saß und jemand an seine Tür pochte: — Herein! — Ichbin der Quintus Jcilius*) und freue mich, Sie kennen zu lernen, JhroMajestät der König verlangen Sie zu sprechen und haben mich her-geschickt, Sie zu ihm zu bringen. — Gellert: Herr Major — Sie müssenmir ansehen, daß ich krank bin; es wird dem Könige an einem krankenManne, der nicht reden kann, nicht viel gelegen sein. — Der Major:Es ist wahr, Sie sehen nicht wohl aus, ich werde Sie auch nicht nötigen,heute mitzugehen. Aber das muß ich Ihnen sagen, wenn Sie sich mitdieser Ausflucht ganz von dem Gange loszumachen gedenken, so irren

*) Ein französischer Offizier Guichard, seit 1758 als Major in preußischenDiensten und zu den Vertrautesten des Königs zählend.