19 '
•«lass die Komposition an sieh Werth habe und einen gebildeten Zuhörer, auch abgesehen von denYirtuosenkünsten ,> befriedigen könne.
Da die Anwendung der, im vorigen Abschnitt auf gezählten Ausdrucksmittel auf den scliöneiAortrag, sich nicht durch Regeln und Vorschriften, sondern nur durch Beispiele lehren lässt, so ist ,um diese dem Schüler zu geben, im Folgenden die Vortragsweise von zwei bekannten Yiolinconcenteil so genau, als es durch Noten , Zeichen und Kunstwörter geschehen kann, aufgeschrieben und wodies nicht ausreichte , noch durch Morterklärung ergänzt worden.
Durch die genaueste Befolgung aller dieser Zeichen und Vorschriften wird der Schüler , liegtdie Fähigkeit zum schönen Vortrag überhaupt in ihm , auch sicher zu dem dieser beyden Concerte ge_langen.
Für den Lehrerist eine Begleitungsstimme hinzugefügt.
Bevor der Schüler beginnt , merke er sich folgendes: 1.) Jede Periode , die im vollen Takt odermit dem schweren Takttheil beginnt , wird der Regel gemäss mit dem Herabstrich angefangen ; soL
«•he Perioden hingegen , die im Auftakt oder mit dem leichten Takttheil beginnen , müssen mit dem
\
Aufstrich angefangen werden. Soll von dieser allgemeinen Regel eine Ausnahme statt finden , soist es jedesmal durch das Wörtchen tire oder poussc an gezeigt. Im Übrigen wird der. Bogen,nachden vorgezeichneten Stricharten , regelmässig hin und hergezogen . 2.) die Vorschlag-« sind sänimtlieh kurze. Alle langen , welche sich im Original befinden , sind hier , ihrem AVerthe gemäss , mitgrossen Noten ausgeschrieben.
L
SIEBENTES CONCERT von RODE.
Erst es AU eg.ro. Erstes Sojo.
\
Das erste Allegro dieses Ooncerts hat einen ernsten, grandiosen , im Thema und dessen Wieder,kehr etwas melancholischen Charakter. Es will mit grossem Ton , in vielen .Stellen mit Leidenschaft =lichkeit , doch im Ganzen mit ruhiger Würde vorgetragen seyn.
■*) Die neueste Erfahrung-, nach welcher das'Concert-Publicum den Virtuosen - Productionen die frühere (tunstfast ganz entzogen und der Sinfonie zugewandt hat , findet allein ihre Erklärung in dem Umstande , dass diemeisten Instruinental-Concerte , welche man zu hören bekommt , so höchst fade und nichts sagende Kompositio.neu sind, die freilich nicht mit d« n klassischen Sinfonien in die Schranken treten können. Der "Virtuose gebe
•
nur eine geistreiche Komposition, so wird sein Vortrag nicht nur dasselbe Intresse wie die Sinfonie erregen ,sondern vor dieser , durch Darlegung seiner Virtuosität , sogar noch einen neuen Reitz gewinnen können.l nscre meisten Virtuosen fühlen aber gar nicht das Bedürfniss nach geistreichen Kompositionen und greifen da-her nur immer nach solchen , womit sie zn glänzen hoffen ; oder sie sind zu bequem , die Schwierigkeiten , die in ans.ge/,( ühneten Concerteompositionen vielleicht für sie enthalten sind, mit Ausdauer zu üben oder sie können devEitelkeit nicht wiederstehen , selbstkomponirte Concerte vorzutragen , die ans •dem, was sie von Jugend auf geübthalt« n , dürftig’ zusammengesetzt sind und daher alles Schwunges und jeder Begeisterung-entbehren , auch wennsie vielleicht ein erfahrener Komponist geordnet und instrumentirt hat. Dass sich von solchen Kompositionen .auch wenn sie ein ausgezeichneter Virtuos vorträgt, das Publikum, das einmal die Schönheiten einer, klassi -sehen Sinfonie erkannt hat, mit Kälte abwenden muss , ist leicht begreiflich!
; V
\
T.H.6050.