beinah Werther’sche Naturstimmung. Bei solchen Gesinnungenwird man nicht erwarten, daß Effigies oder Wachsfigur im Sargediesmal ihren Platz behauptet haben.
Und doch war dem so. Wie eine Vergeltung für das, was Fried rich II. an seinem Vater getan, berührt es, wenn wir erleben, daßsein Neffe und Nachfolger aber auch in keinem Punkte geneigt war,den letzten Willen seines Oheims zu respektieren. Die Ursachedazu lag sicher nicht in einem Mangel an innerer Ehrfurcht; ge-rade die Zeremonien, welche Friedrich Wilhelm II. anordnete, ent-sprangen dem Wunsche, nichts von den geheiligten Gewohnheitender Höfe unerfüllt zu lassen.
Zunächst lag die Leiche Friedrichs des Großen noch am Todes-tage im Stadtschloß zu Potsdam öffentlich in Parade, ist aber be-reits am 19. August in der Gruft der Hof- und Garnisonskirche be-stattet worden. An der geringen Beachtung, welche den sterb-lichen Resten zuteil wird, kann man erkennen, wie sehr die da-maligen Vorstellungen von Pietät sich von den unsrigen grundsätz-lich unterschieden haben.
Bei der eigentlichen Leichenfeier jedoch, die auf dem 9. Septemberanberaumt war, wurde nichts von dem, was bei dem Tode FriedrichWilhelms I. geschehen war, verabsäumt. Daher wir abermals einenParadesarg in einem Castrum doloris an treffen; daher denn auchdiesmal auf dem Baldachin über dem Sarge das Bildnis des Königs,von Franke gemalt, zu sehen ist; daher denn auch hier die Möglich-keit nicht von der Hand gewiesen werden kann, daß in dem Parade-sarg ein Schein-Toter gelegen, der auch bei dem später folgendenPrunkbegräbnis als Ersatz für die Leiche gedient hatte. Dagegen wares mir nicht möglich, eine Nachricht zu finden, daß auch bei Fried rich II. ein Trauerzimmer mit der sitzenden Figur weiland desKönigs eingerichtet war.
Dafür, daß in Analogie zu dem Castrum doloris Friedrich Wil-helms I. auch bei Friedrich II. ein künstlicher Leichnam im Sarge
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