Im Jahre 1826 sollte das Kassengewölbe „aufgeräumt“ werden, und es istallein der Tatkraft des Bürgermeisters von Weimar , C. L. Schwabe, zu ver-danken, daß bei dieser Gelegenheit Schillers Gebeine nicht mit denen von 22anderen Toten an unbekannter Stelle verscharrt worden sind. Trotz des Wider-standes der Geistlichkeit, unterzog sich Schwabe persönlich der gerade nichtverführerischen Arbeit im Moder der Gruft 23 Schädel zu sammeln, die er ineinem Sack nach Hause schaffte, dort in einer Reihe auf einem Tisch aufstellte,um durch das Zeugnis noch lebender Freunde Schillers und durch Messungenden echten Schädel festzustellen und für die Nachwelt zu bewahren. Bekannt-lich hat Goethe ein warmes und mitwirkendes Interesse für diese Bemühungenbekundet. Der echte Schädel Schillers wurde dann am 17. September 1826auf der großherzoglichen Bibliothek (heute Landesbibliothek) im Piedestal vonDanneckers monumentaler Büste eingeschlossen. Ein jeder kennt die er-greifenden Terzinen „Schillers Reliquien“, welche Goethe damals nieder-geschrieben. Schillers übrige Gebeine wurden in anatomischer Anpassungdes ersten Wirbels an das Hinterhaupt bis auf wenige Reste zusammen-gestellt und in einem Interimssarg geborgen. Erst im Sommer 1827 ward,gelegentlich eines Besuches König Ludwigs von Bayern , der Schädel mit demSkelett wieder vereinigt und endlich am 16. Dezember 1827 in der Fürsten-gruft zu Weimar beigesetzt. (Hermann Welker: Schillers Schädel und Toten-maske. Braunschweig 1883).
{32) WILLIAM PITT DER JÜNGERE wurde als zweiter Sohn des be-rühmten ersten Earl of Chatam am 28. Mai des Jahres 1759 zu Hayes (Kent)geboren. In den 47 Jahren seines Lebens, oder wie man sich exakter aus-drücken müßte, in den 23 Jahren seines Wirkens als Premierminister undelegantgewaltiger Parlamentsredner hat die Politik seines Vaterlandes ihreImpulse fast ausschließlich von diesem scharfen Intellekte empfangen. Pitt ,von Jugend auf zart und kränklich, ist den Anstrengungen seines Wirkensbereits am 23. Januar 1806 erlegen.
Die von uns abgebildete Totenmaske befindet sich in der Sammlung Caruszu Leipzig ; es handelt sich dabei jedoch nur um einen flauen Gipsabdruck, mitdem ich mich begnügen mußte, da mir der Aufenthaltsort des Originalsunbekannt geblieben ist.
<33> ANNA AMALIA VON SACHSEN-WEIMAR eine Nichte Friedrichsdes Großen, die Tochter Herzog Karls von Braunschweig-Wolfenbüttel , des
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