Barbieren. LZ
daß ihnen die Haare am Vordertheile des Kopfs imStreite hinterlich waren, weil der Feind sie leicht da-bey fassen konnte. Dieß bewog sie, das ganze Vorder-theil des Kopfs zu bescheren c). Daß der Bart auchmit darunter begriffen seyn mußte, kann man darausschließen, weil sie der Feind bey dem Bart am er-sten fassen konnte. Der Krieg gab also die erste Ver-anlassung zum Abscheren des Barts. Aus eben diesenkriegerische» Absichten befahl Alexander der Große sei-nen Generalen, daß die Macedonier ihre Barte ab-scheren sollten 6). Aus Griechenland kam diese Sitte'bald nach Italien; im Jahr 4L4 nach Erbauung d.St. R. brachte Publius Ticinius Mena die erstengriechischen Barbierer aus Sicilien nach Rom; dastägliche Barbieren aber führte Afrikanus der jünge-re ein e). Auch die römischen Kaiser folgten dieserSitte, bis auf den Adrianns, der zuerst den Bartwider wachsen ließt). Zu deS Tacitus Zeiten beschnit-ten schon die Deutschen ihre Barke und unter derrömischen Geistlichkeit führte Pabst Anacletus, derim Jahr roi zu dieser Würde gelangte, das Besche-ren des Hauptes und des Barts ein Z). Im JahrL>/ sehten die Siebte auf einer Versammlung zu Aa-chen sogar die Tage fest, an welchen sich die Möncherasircn lassen sollten. Unter den weltlichen Ständenin den Abendländern kam das Rasiren später auf.Man behauptet, daß eine Krankheit, die die Spani-er aus Amerika brachten und durch welche die Men-schen die Haare verloren, die Gelegenheit zum Bar-bieren gegeben habe. Einige Grosse, welche dadurchdie Haare verloren, entschlossen sich, dem Barte ganzzu entsagen; viele folgten ihnen atH Noth, andere