Rhetorik. 4»/
den Gemüthern der Menschen Meister zu machen. Diegemeine Beredtsamkeit, die man im Umgänge braucht,ist fast so alt, als die Sprache, aber die erhabneBeredtsamkeit, deren man sich in öffentlichen Redenbedient, wurde hauptsächlich in den Republiken zu«erst gebildet.
Beredte Männer gab es lange vorher, cke dieRedekunst erfunden wurde a). Bey den Jsraelikenwurde Aaron wegen seiner Beredtsamkeit gerühmt;auch in den großen Propheten alten Testaments sin.dct man schon erhabne Beredtsamkeit. Bey den. Sey»theil soll sich Anarchasis als Redner ausgezeichnet ha-ben ; Curtius liefert eine solche scitische Rede ,die den griechischen fast vorzuziehen ist; er gibt sieauch für acht aus, aber Kunstrichter halten sie fürerdichtet b).
Man will schon dem Jupiter einige Erfahrungin der Beredtsamkeit zuschreiben, weil gesagt wird,daß er diese Wissenschaft durch den Merkur, denMenschen übersendet habe c); andere,- besonders dieEgyptier, schreiben ihre Erfindung dem Merkur oderHermes selbst zu, der ein Enkel, oder doch einNachkömmling des Atlas war ä).
Unter allen Völkern wurden die Griechen zuerstin der Redekunst am berühmtesten. Unter ihre be-redte Männer rechnet man den Nestor, Menclaus,Phönix, Ulysses, Aesop, Solon, Pcricles, Alci-biades, Thucydides, Pisistratus, Phalaris, Pytha-goras, Heraclitus, Dcmocritus, Themistocles, Em-pcdocles, Lysias, Jsocrates, Plato, Hypcridcs, De-mosthenes, Lycnrgus, Aeschines, Dinarchus, undDemades.