Fayance. 321
allenthalben gleichförmig bestreichek, und die Gefäßevor Auskragung der Glasur vollkommen wieder krackenwerden läßt. Diese dünne Schale von alkalischem E-alzan den Gefäßen greift im Feuer in die Oberfläche desThones ein, und verglaset diese Oberfläche; und weildie hernach aufgetragene Glasur in Ansehung der Salzeeinerley Natur mit dieser dünnen Schale hat, so sitztnicht allein die Glasur weit fester auf, sondern sie fließtauch allenthalben gleichförmig. Wenn der Thon weißund leichtflüßig ist, so kann man zuweilen dieser Arbeitentrakhen. Die Glasur wird doch aber allemahl dauer-hafter seyn, wenn sie geschiehet.
Man muß sich hüten, einer schönen Fayance einedicke Glasur zu geben. Je dicker die Glasur aufgetra-gen wird, hesto mehr fällt es in die Augen, daß es'nurschlechtes unechtes Porzellan ist, und desto mehr undeher springt die Glasur davon ab. Die dicke Glasurgebraucht man nur zu dem Boden, um die schlechte Be-schaffenheit der gebrauchten Thonarten darunter zu ver-bergen, worin man doch aber diese Absicht gar sehr ver-fehlet. Eine Fayancefabrik, welche sich der kölnischenErde und eines guten leichtflüssigen Thones bedienet,hat diele Absicht gar nicht nöthig; und je dünner dieGlasur aufgetragen wird, desto weniger wird sie ab-springen, und je mehr wird die Fayance dem echtenPorzellan ähnlich seyn.
Nächst einer guten Glasur, kragt auch ein guterGeschmack in der Mahlerey und in der Wahl der Far-ben, zur Schönheit der Fayance sehr viel bey. Ob-gleich eine Fayancefabrik nicht so viel auf eine schöneMahlerey verwenden kann, als eine Fabrik von echtemPorzellan, weil die Waaren der ersten nicht so theuerbezahlet werden, als die von der letztern: so laßen sichdoch noch immer Zeichner und Mahler um einen mäßi-gen Gehalt finden, daß man auch hierin einen gutenGeschmack beobachten kann.
Oec.Enr. XIIXI). T Viele