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Donau-Bulgarien und der Balkan : historisch-geographisch-ethnographische Reisestudien aus den Jahren 1860-1879 / von F. Kanitz
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VON TIRNOVO UEBER SELVI UND LOVEC NACH SV1STOV.

pfohlen. Wieder stiegen wir die Höben des Dorfes Musina hinan, diesmal S. W.auf wenig begangenem Pfade und in fortwährendem Kampfe mit dem uns hartzusetzenden dichten Gezweige, das wir im Gänsemarsche durchbrechen mussten.Von Jalars 79 M. hohem bewaldetem Bachuferrande betrug der Niveauunterschiedbis zum Rücken des Plateaus über 300 M. Dicht unter uns erblickten wir nundie durch den Telegraph gekennzeichnete, nach Selvi führende Ilauptstrasse unddas hochgelegene ferne Malkoöu aus dunklem Waldstreife hervortretend, welchermit den grell beleuchteten Abstürzen des Sipka-Balkans lebhaft contrastirte.Nach kurzer Rast verliessen wir den hübschen Aussichtspunkt und gelangtennun zum grossen Bulgarendorf Novoselo, das bereits dem Kasa Selvi angehört.

Die Frauen des Hofes, in dem wir Mittagsruhe hielten, hatten den weissen,tellerartigen in Tirnovos Umgebung gebräuchlichen Kopfputz, mit einem demKreise Selvi eigenthümlichen weit kleidsameren vertauscht. Er'besteht aus einemreichfarbigen Tuche, das mit einem Blumenkranz am Scheitel befestigt, langherab auf den Rücken fällt, die Kinder tragen aber buntgestickte Käppchen mitquastenartig nach rückwärts hängenden blauen Fäden.

Die schöne Hochebene, welche wir gegen W. bis Malkocu durchschnitten,gehört sicher zu den cultivirtesten, obstreichsten Landschaften und ihre Strassezu den vorzüglichsten Donau-Bulgariens. Der von einem moslimschen Selviergehaltene isolirte Kanli Kuru han bildet einen angenehmen Rastpunkt. Man findethier immer einige Gäste, denn ganz nahe münden die von Pleven und Svistovkommenden Vicinal-Strassen in die grosse nach Sevlijevo und Tirnovo führendeChaussee; trotzdem ist sie wenig belebt. Die Staffage beschränkt sich auf einigeReiter und Fussgänger. Selten begegnet man einer Lastthiercaravane, nochseltener einem Wagen. Bald nachdem wir mit einem Strassenbuge nach SW.eine niedere Wasserscheide überschritten hatten, senkten wir uns auf mehrerenganz unnöthig ausgeweiteten zeitraubenden Curven durch ein Defile von düste-rem Charakter, bei einem Blockhause hinab zur Rusica. Einen Theil der un-heimlichen Landschaftsstimmung riefen die Schatten eines über uns wegziehendenGewitters hervor; bei sonnigem Wetter mag sich der locale Eindruck vielleichtin das Gegentheil verkehren, denn stellenweise erschien das Terrain links unterCultur gesetzt und die rechtsseitigen Berghänge bedeckt dichter Laubwald biszur Strasse herab.

Bei dem ausschliesslich moslimschen Dorfe Bogatovo, dessen bulgarischerNamegesegneter Ort bedeutet, ging der Charakter des allmälig sich verbrei-ternden Thaies in den freundlichen der Ebene von Selvi Uber, in welche es ganzunbemerkt hinausführt. Abermals ritten wir über die neue siebenbogige Rusica-brttcke. Die Spannweite ihrer von den Ufern nach der Mitte sich erhöhenden 7Bogen, auch ihre Pfeiler und Widerlager aus Bruchsteinen zeigen treffliche Ver-