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UEBER ORHANIEH, DEN ETROPOL-B.4LKAN
eines Geschäftes oder einer Landwirtschaft, meistenteils verheiratet und Fami-lienväter. Gezwungen, die Familie zu verlassen und die Geschäfte zu sperren,nur um die empörten Rajali zur Ordnung zu bringen, sind sie sehr erbittert, undmanches Dorf dürfte schlecht fahren, welches mit Einquartierung belegt werdensollte.
Viel Bedenken erregt, dass man vergangene Woche aus Russland einge-wanderten Tscherkessen, deren Dörfer zerstreut unter den bulgarischen Ortschaftenherumliegen, vom hiesigen Gouvernement Waffen, wie Feuersteingewehre, Säbelund Munition, ausgefolgt hatte, damit dieselben die ersten Symptome einer Er-hebung in Bulgarien gleich im Anfänge unterdrücken oder so lange in Schachhalten, bis reguläres Militär auf dem Platze erscheinen könnte. Stehen nun schonin Friedenszeiten die Tscherkessen mit dem Begriff des Eigenthums auf gespann-tem Fusse und sind träge zur Arbeit, so wird dies Alles unter den jetzigen Zeit-läuften noch verschlimmert, und es könnte leicht die Willkür an die Stelle derGesetze treten. Ganze Tscherkessendörfer bewaffnen in einer Provinz, die bisjetzt Ruhe hält, heisst beinahe so viel, als einen Aufstand provociren. Es sindschon jetzt in den ersten paar Tagen Fälle vorgekommen, dass die Tscherkessenauf der offenen Chaussee die Reisenden aufgehalten und um ,Para‘ angesprochenhaben, sich damit entschuldigend, dass sie keinen Para besitzen, um sich Brodkaufen zu können. Dies geschieht in der Nähe der Stadt Sofia. Was ist erstauf dem Lande, in den Dörfern des Balkan-Gebirges zu erwarten? Ist doch selbsthier in Sofia der Fall vorgekommen, dass dfei einberufene Redifs in ein Han(bulgarisches Gasthaus) gingen, aus dem Stalle drei Pferde nahmen und nachNis davongeritten sind. Wollen die Bauern zu ihren Pferden wiedergelangen, somüssen sie von Sofia bis Nis (16 Stunden) den Weg zu Fuss machen, und dannwäre noch zweifelhaft, ob sie dieselben zurückbekommen würden. Dieser be-waffnete Landsturm tscherkessischer Nationalität wäre im Stande, ein ganzesDorf vor Gericht zu führen unter dem Vorwände, dass man im Dorfe einen,Comitat‘ — so werden nämlich politische Emissäre genannt — gesehen hätte,der die Bewohner zum Aufruhr aufmunterte.
Dass auf diese Art den Europäern der Aufenthalt in Sofia nicht am bestengefällt, liegt auf der Hand. Desshalb trachtet ein Jeder, dem Geldmittel zuGebote stehen, Sofia zu verlassen und sich nach Constantinopel oder Rumänienzu flüchten. Diejenigen aber, denen die Verhältnisse dies nicht gestatten, be-finden sich in sehr misslicher Lage, die abzuwenden nicht in ihrer Macht steht.Nur im Falle, dass der Aufstand auf Bosnien und die Hercegovina localisirtbleibt, sind die Europäer und die christliche Bevölkerung vor Gefahren sicher.“
Wie rasch und wie traurig erfüllten sich diese Befürchtungen bereits im Mai 1876!Ueber die Kriegstüchtigkeit der sogenannten „Festung Sofia“ machte derselbe