IN FÜRST ALEXANDERE RESIDENZ.
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Da die Bulgaren schon lange Wohnungsmangel litten, nahmen mehrere hun-dert christliche Familien sofort Besitz von den Häusern der mit Osman abge-zogenen Moslims, wodurch sie der Vernichtung entgingen, welcher die türkischenViertel bald anheimfielen. Durch Feuersbrünste und absichtliche, von Russenund Bulgaren gemeinsam ausgeführte Demolirungen wurden 870 türkische und 8jüdische Häuser, alle Tülbeler (Grabcapellen), die meisten kleinen und 8 grössereMoscheen zerstört; von den erhaltenen 14 aber 13 für militärische Zwecke ver-wendet. Die Moslims sahen es als ein deutliches Zorneszeichen Allah’s an, dassbei eines Medschit’s Sprengung der frevelnde Mineur durch die aufflatterndeMine getödtet, das bedrohte Minaret aber unverletzt blieb. Das vielgedeutete Wun-der nahm auf das Gebaren der Sieger keinen Einfluss. Auch der dem reichenIsraeliten Farchi gehörende grosse Han, den Baron Hirsch während des serbischenKrieges in ein Musterhospital umwandeln Hess, wurde zerstört und gleiches Lostheilten die zwei Gassen in Mitte der Stadt einnehmenden Werkstätten, in welchentürkische Gerber das grösstentheils zum Export nach Oesterreich bestimmte Saffian-leder zubereiteten. Auf den rasirten Plätzen errichteten die Brotlieferanten fürdas russische Feldlager ihre Bäckereien. Ein am 10. December 1878 ausge-brochener furchtbar wüthender Orkan, welcher Flaggenbäume umstürzte und zweiMenschen unter fallenden Mauern begrub, vollendete das traurige Vernich-tungswerk.
Unter solchen Verhältnissen war es kein Wunder, dass bei dem raschenZuströmen von Einwanderern aus den benachbarten Städten und von Fremden,welche das Gold der ungemein luxuriös lebenden russischen Officiere anzog, sehrbald empfindlicher Wohnungsmangel eintrat. Der erste russische StadtgouverneurAlabin und sein Polizeimeister Depauli suchten ihm zu steuern, indem sie zu-nächst für sich selbst zwei schöne Gebäude mit Gärten und anderem Comfort,dann 27 Bauten für Aemter und Private, ferner den zerstörten Farchi lian undan der Köstendiler Strasse 22 grosse Militärbaraken aus den durch Demolirunggewonnenen Materialien herstellen Hessen. Zahllose türkische marmorne Grab-steine mit goldenen Inschriften verschwanden dabei im Mauerwerk und im Trot-toir der Strassen, welche man regelmässiger zu pflastern begann. Da die Ver-äusserung ehemals türkischen Besitzes endlosen Schwierigkeiten von Seite desprovisorischen Gouvernements begegnete, die erhaltenen moslimschen Häuser,soweit sie nicht gleich Anfangs bulgarischerseits occupirt, für die bedeutendeGarnison in Beschlag genommen wurden, stiegen die Häuserpreise rapid um20—30 °/ 0 , trotzdem die stabile Bewohnerzahl sich durch den Wegzug der Türkenerheblich verringert hatte.
Nach türkischer Berechnung flüchteten von Sofia: 2622 Muhammedaner (Nufus),nämlich: 2362 Türken, 220 Zigeuner und 40 Tataren. Da bei der Registrirung
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