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Donau-Bulgarien und der Balkan : historisch-geographisch-ethnographische Reisestudien aus den Jahren 1860-1879 / von F. Kanitz
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IN FÜRST ALEXANDERE RESIDENZ.

Am 21. August beehrte Fürst Alexander dasSipka-Erinnerungsfest, beiwelchem an nahezu tausend tapfere Männer der bulgarischen Legion, zum An-denken für ihre während der Augusttage 1877 auf dem Passe bewiesene Bra-vour, nach einem im Lager abgehaltenen solennen Gottesdienste, die silberneDenkmünze und je ein Silber-Medzidieh vertheilt wurden. Am 23. August wares namentlich der Fürst, welcher durch sein persönliches Erscheinen, währenddes nach Mitternacht in der Artillerie-Caserne ausgebrochenen Feuers, Sofia vorgrossem Unglück bewahrte. Ungeachtet des furchtbaren Explodirens Tausendervon Projectilen gelang es den Brand zu localisiren und das bedrohte nahe Pa-lais sammt dem angrenzenden schönsten Stadttheil zu retten. Die Gegenwart desFürsten spornte Officiere und Soldaten zu Thaten unglaublichster Selbstverleug-nung. Trotzdem forderte das unbändige Element einige Menschenleben; 2 tür-kische Kruppgeschütze, 4 andere Kanonen, riesige Gewehr-, Revolver- und Mu-nitions-Vorräthe gingen zu Grunde. Der Gesammtschade wurde auf 3 MillionenFranks geschätzt.

Das grosse Brandungltick verzögerte des Fürsten projectirte Reise nach demSüden des Sofier Districtes um einige Tage. Am 1. September verliess FürstAlexander die Hauptstadt mit einem russischen Viergespann und grosser Suite.Zu Radomir, Köstendil, Dubnica wurde der junge Regent mit grossem Jubel em-pfangen. In letzter Stadt schlossen sich der österreichisch-ungarische und derdeutsche diplomatische Agent als geladene Gäste an und nun ging es zu Pferdein 7 Stunden nach dem pittoresk liegenden Rilokloster, dessen Hegumenos mit150 Mönchen den Fürsten an der wunderthätigen Sv. Jovankirche feierlich be-grüsste. Auf der in den benachbarten wildreichen Bergen abgehaltenen Jagdwurde neben anderen Thieren eine Gemse geschossen. Auch in dem Eisen-In-dustrie treibenden Städtchen Samakov erregte des Fürsten Besuch grosse Freude.Jedes der drei festlich geschmückten Stadtviertel, das bulgarische, türkische undspanisch - israelitische hatte Triumphbögen errichtet und das von der Communegegebene Festdiner fiel glänzend aus. Bei herrlichstem Wetter kehrte der Fürstam 7. September Abends nach Sofia zurück, das sich eben vorbereitete dessenNamensfest freudig zu begehen.

Während seines kurzen Wiener Aufenthalts lud Fürst Alexander mich einnach Varna zu kommen, wo er Bulgarien zuerst als Regent betreten wollte, undauch nach Sofia, wo ich länger sein Gast sein sollte. Eine bereits früher pro-jectirte Reise zum Moskauer ethnographischen Congresse und zur Nisni Novgo-roder Messe machte mir es leider unmöglich dem begeisterten Empfange imclassischen Pontus-Emporium anzuwohnen; doch im September eilte ich überOdessa nach Sofia und wurde Zeuge der fürstlichen Namenstagfeier, mit welchersich gleichzeitig jene für denCar-Befreier Kaiser Alexander von Russland verband.