Klima.
462
turn fast allezeit bey einer zärtlichen und schwächlichenLeibeS - Constitutio:, Start findet. Eben daher kommtes auch, daß Frauenzimmer reitzbarer find, alsManns-Personcn, und daß die Ausdunstung, indem sie denKörper schwächt, zu gleicher Zeit dessen Empfiudlich-keil erhöhet.
Aus den so eben aus einander gesetzten Ursachen istdie Liebe, als Leidenschaft betrachtet, in den Nord-Ländern beynahe ganz Unbekannt. Man sieht diesesscheu daraus, daß die Eifersucht, welchevon einer rechtbrünstige» Liebe allezeit unzertrennlich ist, in jenen Ge-genden sehr selten, lind da, wo sie sich äussert, für et-was lächerliches' gehalten wird ("4- So ist auch dieFreundschaft, jene wechselseitige zärtliche Neigungzweyer Personen eines Geschlechtes gegen einander,in solchen Gegenden, wo der belebende Einfluß derSonne schwach ist, ziemlich selten. Da sie wirklichohne einen gewissen Grad feines Gefühles gar nicht be-stehen kann, so ist es kein Wunder, daß sie da, wo letz-teres ordentlicher Weise mangelt, so selten gesundenwird. Doch will ich hiermit keinesweges behaupten,daß bey Bewohnern kalter Erdstriche jenes gesellschaft-liche Band, welches wechselseitige Achtung zweyer Per-sonen knüpft, gar nicht Statt finde; vielmehr glaubeich, baß eine solche freundschaftliche Neigung hier aufandern, und vielleicht edlern Gründen, z.B. aufHoch-achtung und Dankbarkeit, beruhe, selten aber zu einersolchen Zärtlichkeit, wie in wärmern Gegenden, sicherhebt.
Dem ungeachtet fehlt es den Bewohnern kalter Erd-Gürtel keinesweges an Gurmüchigkeir uirdWohlwol-len» Sie werden nicht so leicht, als ihre südlichern
Nach-
(:.j) Den Fortgang dieser Leidenschaft «UZ brisen in kalte Erb-Ftn'chc, hat Ferguson in settum Essay on civil So*iety |>lji»r.iijc und gefällig geschildert,