Klimq.
502
fchiedene neue Krankheiten, z. B. die Blattern und denWinddorn, genau beschrieben; und ihm sowohl alseinigen andern Arabern hat man die erste Kenntniß ein-iger neuen Arzeney-Mittel, z, B. der Senna, desRhabarbers und der Manna, zu verdanken; allein imGanzen sind ihre Schriften doch weiter nichts, alsschwerfällige Erläuterungen alter griechischer Schrift-steller, besonders des Hippokcateö und Galenus, diesie doch der Nachwelt nicht in ihrer ursprünglichen kunst-losen Gestalt, sondern durch eigene leere Erdichtungenund spitzfündige Träumereyen entstellt überliefert jha-hc». Doch siiidek man bey cinigeil arabischen Aerztenrichtigere und aufgeklärtere Begriffe. Avenzecir, un-ter allen noch der scharfsinnigste, gibt als den unumstöß-lichsten Grundsatz der Arzeney-Gelahrcheit diesen an,daß die Erfahrung allein in Ausübung die sicherste Füh-rerinn sey, und daß man ninunermehr durch dialekt-ische Spitzfündigkeiten, sondern einzig und allein durchsorgfältige Beobachtung der Natur und gesunde Ur-theils-Kraft sich die Fertigkeit, Krankheiten glücklichzu heilen, erwerben könne. Man sieht hieraus, wiesehr dieser denkende Arzt vyn den zu seiner Zeit herr-schenden Begriffen abging. In Ansebung der Natur-Wissenschaft, welche \3acy in spätern Zeiten zu großemVortheil der ganzen Weltweisheit.umschuf, wardAvenzoar von seinen Zeitgenossen für einen bloßen Em-piriker ausgegeben; eine Beschuldigung, dieer sowenigverdiente, daß er vielmehr die Thorheit allgemeinerHeil-Vorschriften und Universal-Arzeneyen in seinenSchriften lächerlich machte, und sie den alten Weibe.r-Mahrchcn, und abgeschmackten Grillen der Sterndeu-ter, gleich achtete.
Noch nachtheiliger ist es der Vernunft- und Sit-ten-Lehre gewesen, durch die Hände der Araber gegan-gen zu seyn. Als diese Wissenschaften nach dem Ver-ftche der Gelehrsamkeit auf kurze Zeit in Aegypren und
Ars.'