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13 (1820) Europäische Türkey / [Hrsg.: Theophil Friedrich Ehrmann; Friedrich Ludwig Lindner]
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177
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Cap. VII* Familienleben. 177

nicht zu entschuldigen. Indessen möchten mir den stren-gen Anklägern der orientalischen Sitte doch zu beocnkeNgeben, daß auch in Europa Alle- seinen Preis hat. Inunsern großen und vielleicht auch in einigen kleinen Stab,ten, kann derjenige, der an Gold und Juwelen reich ist,über viele Weiberherzen gebieten. Der Unterschied zwi-schen unsern heimlichen und den Türkischen öffentlichenMarkten besteht nur darin, daß im Oriente jeder dieWaare für sich allein kauft, bei uns aber sie mit Jedem,der nachher mehr bietet, theilen muß. Ohne den maho-medanischen Sitten das Wort zu reden, könnte man alsodie Beschuldigung von ihnen abwenden, al- ob sie unmo-ralischer waren, al- die unsrigen. Die Türkischen Scla-vinnen sind seht häufig arme, aus den Gebirgen des Kau-kasu- hergeholte Bauernmadchen, dir , wenn sie in dieHarems kommen, mit den schönsten Kleidern versehenwerden, an Allem Ueberfluß, für nicht- zu sorgen haben,und eine Lebensart führen, wie sie dem Klima, ihrer Ge-wohnheit und ihren Bedürfnissen angemessen ist. Sie hei-ßen Sklavinnen, aber sie werden von ihren Herren undihren Gebieterinnen mit ausgezeichneter Milde behandelt,Ja, die niedrigste Sclavin, wenn sie Nur schön ist, kannplötzlich zur ersten Sultanin erhoben werden, und wennsie so glücklich ist, dem Großherrn einen Sohn zu geba-ren, so hat sie die Hoffnung, daß dieser auf den Thronder OthomaneN erhoben werde, wo sie sodann al- Kaise-rin Mutter die höchste Achtung genießt und Nicht seltenden Staat regiert.

Doch genug, Um es glaublich zu machen, daß diemahomcdanischen Frauen weniger zu bedauern sind, alsman sich'- im christlichen Europa gewöhnlich einbildet.

Bon der Schönheit der Türkischen Frauen sind allediejenigen, welche sie zu sehen Gelegenheit hatten, mehroder weniger bezaubert worden. Wenn die Augen dieserEuropäische Türkei. M