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14 (1820) Australien / [Hrsg.: Theophil Friedrich Ehrmann; Friedrich Ludwig Lindner]
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406 Australien.

bleibt sie im Besitz des Vermögens und selbst der Kin-der. Verletzt sie die eheliche Treue, so kann er sich andem Verführer rächen, ja ihn todten; doch muß er dieFrau stets mit Schonung behandeln.

Um dieser durch die Sitte einmal eingeführten, Herr»schüft der Weiber, die bisweilen,etwas lästig seyn mag,sich zu entziehen, sollen sich mehrere, besonders jungeausschiveifende Männer zu wunderlichen Gesellschaftenverbunden haben , welche U r r i t a o s genannt werden.Die Mitglider derselben sind übereingekommen, sich Wei-ber in Gemeinschaft zu kaufen und sie in eignen Häusernzur Lust der Urritaos aufzubewahren. DieUngebunden-heit, welche in diesen Hetären-Tempeln herrscht, derSpott über jede Art des Zwanges,, das lustige Wesen,hat diese Urritaos zu den entschiedensten Feinden ihrer fin-stern Tyrannen und der strengen Mönche gemacht, undrft sind große, freihcitathmende Gesinnungen aus denHäusern gemeiner Lüste hervorgegangen. Die Missionäreurtheilten, wie sichs erwarten läßt, nicht so günstig vonden, durch die Urritaos bewirkten Ausbrüchen einer ge-rechten Rache, besonders da mehrere als ein Opfer derletzteren fielen.

Jene Unterwürfigkeit unter die Weiber und der, inallen andern Verhältnissen unverkennbare, Freiheits-Sinnder Marianer, gehören unstreitig zu den merkwürdigstenZügen ihres Charakters. Kein Volk treibt, nach derVersicherung eines Englischen Schriftstellers, dasPraktische derFreiheit hoher, als diese Kinder der Natur.Dies scheint anfangs im Widerspruch mit andern Angaben ^zu stehen, indem berichtet wird, das sie Stände untersich eingeführt haben und streng auf hohe Geburt undAhnen halten. Die Chamorris bilden bei ihnen denhohen Adel; außerdem haben sie einen Mittelstand und