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Ergänzungsband zur neuesten Länder- und Völkerkunde : ein geographisches Lesebuch für alle Stände : enthält Deutschland und alle die Veränderungen und Berichtigungen zu den vorhergehenden Bänden / [Hrsg.: Theophil Friedrich Ehrmann; Friedrich Ludwig Lindner]
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355
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Deutschland.

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Ulm, Hauptstadt und Sitz der Regierung und derFinanzkammer, in einer sehr schönen und frucht-baren Ebene, welche auf der Nordscite in derEntfernung einer Stunde von den sanften Abhän-gen der Alp begrä'nzt wird, ist von der Blaudurchflossen, welche in die an den Mauern vor-beistromcnde Donau fällt. Ueber diese letzterewelche ^ Stunde oberhalb der Stadt die Alleraufgenommen hat, 100 Schritte breit, 12 Fußlief und schiffbar ist, führt eine steinerne Brücke.Die Stadt ist gut gepflastert, mit breiten Stras-sen versehen, und meistens altmodisch gebaut.Man zählt einige yo Straßen, i,6oo H. und14,200 E. Merkwürdig sind: i) die Haupt-kirche, der Münster, ein ehrwürdiges GothischesGebäude, die größte und höchste Kirche in Tcutsch-land, 416 Fuß lang, 166 breit und 141 oderiZ2 Fuß hoch. Sie hat 6 Eingänge und eineLrgel von 45 Registern und 2 052 zinnernenPfeifen. Der dabei befindliche Thurm hat einschönes Portal von prächtiger Gothischer Bauart,und ist bis zum Kranze oder Umgänge 237 Fußhoch. Der obere Aufsatz desselben mit dem Da-che beträgt noch roo Fuß an Höhe. 2) dasneue Rathhaus mit dem künstlichen Uhrwerke; Z)das Schauspielhaus, vor dessen Portale eine Co-rinthische Säulenordnung ist. Man findet hier einguteingerichtetcs Gymnasium, mehrere wohlthäti-ge Anstalten, starke Leinwandwebereien, guteLeinwandblcichen und verschiedene Tabacksfabriken.Man verfertigt viele hölzerne Tabackspfeifenköpfeund guten Feucrschwamm. Bekannt ist auch dasUlmer Zuckerbrod und die Graupen. Mit die-sen Produkten treibt Ulm einen beträchtlichen Han-del, desgleichen Speditionsgeschäfte und Donau-

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