Band 
Sieben und sechzigster Theil, von Lebens-Art bis Lederz.
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Lebens-Art.

der Jugend versäumt ist, und was man da schnellerund leichter gefaßt haben würde, Schon viele Män-ner, die sich den Wissenschaften gewidmet hatten,äusserten mit dem bittersten Schmerz den innigstenWunsch, nur ihre akademischen Jahre noch ein Mahlerleben zn können; wie viel besser wollten sie dieselbenizt anwenden, da sie zu spät durch die Erfahrung ge-lernt hatten, was alles zu ihrem jezigen Amte erfor-dert wurde, und wie wenig sie von diesem recht gründ-lich erlernt hätten. Und sollte eS solcher Männernicht in allen andern Professionen geben, die es zuspät bereuen, ihre Lehr- Jahre nicht besser angewandt,und dem Meister mehr von seinem Eigenthümlichenin der Kunst abgesehen zu haben?

Wähle aber nie eine Lebens-Art, wodurch duems dem Stande deiner Aelcern heraus gehoben wür-dest.' Es ist eine unselige Meinung, daß Jeder suchenmüsse höher zu steigen, und mehr, wie.man zu sagenpflegt, in der Welt zu werden. Dust« Vorurcheilist sowöhl die Veranlassung der vielen Mißgeburtenin den gesitteteren Ständen, als auch die Quelle desUebels, daß so wenig Sinn für bürgerliches Glückund Wohlstand unter den .Menschen zu finden ist.Jeder, so geringe und klein er auch seyn mag, sehntsich nach Ehre, denn er hat den ganz natürlichenGlauben, daß er der Ehre werrh sey. Diesen Glau-ben sollen nun andere Menschen nicht nur mit ihm ha-ben, sondern sie sollen es ihm auch durch äussere Zei-chen der Achtung zeigen, daß sie ihn haben. Des-wegen drängt man sich in die höheren Stände hinein;und kann man es nicht durch innern Werth, so ge-schieht es durch Nachäffnng der äussern Seite dieserStände, weil sie (so kommt es uns vor,) jedem An-dern eine gewisse Achtung abzuzwingen scheinen (*),

Die

(*) Vorzüglich liegt auch hierin, etwas Eitelkeit abgerechnet,