Band 
Sieben und sechzigster Theil, von Lebens-Art bis Lederz.
Seite
92
JPEG-Download
 

92

Lebens-Art.

rcnfT"

übertriebener Liebe ihrer Kinder sorgfältig zu verhütenpflegen, daß sie keine Lebens-Art ergreifen, »on der siezwar erkennen, daß sie dem gemeinen Wesen nitzlich sey,die sie aber für viel zu gefährlich halten, als d,ß ihr lie-ber Sohn derselben sich widmen dürfte. So überwiegtdie Liebe der Kinder die Liebe des Vaterlandes, und die-ses muß jener weichen. Hierzu kommt noch, d»ß fast je-der Vater die Lebens-Art für die beste und nützt chst? halt,der er selbst ergeben ist, und daher seine Kindervon allenandern abzuhalten pflegt.

Aeltern, die vor andern vernünftig zu Werke gehenwollen, und die die Wichtigkeit dieser Sache einzusehenvorgeben, glauben am besten zu thun, wenn sie die Wahlder Lebens-Art dem freyen Willen ihrer Kinder überlassen.Alsdann glauben sie von aller Verantwortung n diesemStücke befreyet zu seyn. Allein, ich wunvre nich, daßman den großen Schaden, der daher für das gemeineBeste entsteht, nicht hinlänglich einsieht, um sich einesbessern belehren zu lassen. Es ist nichts leichter, als dasWidersprechende und Höchstfchädliche vor Augen zu legen,das sich darin findet, wenn man die Wahl der Lebens-Arten dem Willkür der Kinder überläßt. Kinder, d. i.Menschen von der allereingeschränktesten Erkenntniß, sol-len schon so viele Einsicht besitzen, welche Lebens-Ark sichfür sie am besten schickt, und der Republik am nützlichstenist. Können sich die Kinder denn wohl richtige Begriffevon den zu erwählenden Lebens-Arten machen? Wiewenig Erkenntniß haben sie davon, um sich nach derselbenprüfen zu können! Gemeiniglich stellen "sie sich eine Le-bens-Art auf einer ganz andern Seite vor, als sie sollteangesehen werden. Daher kommt es, daß sie ihre getrof-fene Wahl schon bereuen, wenn sie die Lebens-Art selbstkaum angetreten haben. Es ist also nothwendig, daß,da sie in derselben mit Verdruß leben, sie nichts rechtslernen, und also , der Welt zu dienen, nie geschickt wer-den. Man kann dies sehr deutlich an der Menge derersehen, die sich dem Studieren widmen. Diese Lcb:ns-Art stellen sich die mehresten als eine solche vor, wöbe) sienicht nur die wenigste Arbeit haben, sondern die auch mitvorzüglichen Freyheiten auf Schulen und Universitätenverknüpft seyn soll. Dies ist bey den mehresten Jüng-lingen die wahre Ursache, warum sie sagen, sie wollen siu-

dteren.