Lebens, Art.
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ohne irgend einen Verdacht von Schmeichelei), Ver-stellung oder Niederträchtigkeit zu erwecken, erfordertviel Geschicklichkeit; und nur durch gefunden Ver-stand, durch den Gebrauch der Vernunft, und durchgute Gesellschaft, kann man sich diefelbe erwerben;dagegen aber gewährt sie auch im täglichen Leben foviel Nutzen, daß sie des Fleißes und der Anstrengungwohl werth ist.
Obgleich die Aufmerkfamkeit auf uns selbst undauf unser Betragen, von dieser Seite den Nahmender Wohlgezogenheir führt, als wenn sie ganz eigent-lich die Wirkung der Erziehung wäre, so muß mandoch die Kinder nicht viel damit martern, ich meine:mir der Kunst, recht modisch den Hut abzunehmenund sich zu verbeugen. Man lehre ihnen Bescheiden-heil und Wohlwollen, wenn man kann, und eS wirdihren Sitten an dieser Ausbildung nicht fehlen; dennHöflichkeit ist im Grunde nichts anders, als dieSorgfalt gegen niemand in der Gefellfchaft einigeVerachtung oder Geringschätzung zu äusser». DieArten dieses auszudrücken, sind in den versthiedenenLändern eben so von einander verschieden, als dieSprachen. Daher ist es, alles wohl überlegt, ebenso unnütz und zweckwidrig, den Kinder» Regeln undVorschriften darüber zu geben, als es seyn würde,einem, der bloß mit Deutschen umgeht, dann undwann eine oder ein Par Regeln der spanischen Sprachevorzusagen. Man spreche seinem Sohne so viel vonHöflichkeit vor, als man will; wie seine Gesellschaftist, so werden seine Silken seyn. Man nehme einen 'Bauer aus der Nachbarschaft, der nie aus seinemKirchspiele gekommen ist, und halte ihm so viel Vor-lesungen als nian will: er wird so bald Hof-Sittenals Hof-Sprache annehmen, d. i. er wird in keinemvon beyden mehr verfeinert seyn, als diejenigen, mitwelchen er alle Tage umgeht.