Band 
Sieben und sechzigster Theil, von Lebens-Art bis Lederz.
Seite
212
JPEG-Download
 

212

Lebens-Mittel, Victualien.

Rittern, wie auch die Abgeordneten der Universitäk Wit-tenberg, und der eingeladenen Städte, ohne die vielenfürstlichen und andern vornehmen Frauenzimmer; so daß,nach Ausweisung der Küchenregister, 31688 Personen,ganze 9 Tage nach einander, z» Hofe gefpeiset, und diegroße Anzahl Pferde, welche sie bey sich gehabt, zugleichmit unterhalten, darneben, zur Vermehrung der Pracht,allerley fürstliche Lustbarkeiten mit Thurnieren, Rennen,Stechen, Maskeraden, Jagen und andern Freudensoielen,angestellet worden. Allein solcher außerordentliche Auf-wand ist gar kein Beweis, daß dadurch ein verhältniß-mäßiges Aeguivalent, zum Besten der Industrie, imStatesey in Umlauf gesetzt worden. Dadurch ward weder demarmen, arbeitenden Theile Brod verschaffet, noch dasVermögen der Reichen gemindert. Es war dies eine ArtLuxus, wodurch die Geringern in noch größere Noth ge-riechen, und der Große immer groß blieb. Das, wo-durch der Luxus sich damahls empfahl, war gerade das-jenige, wodurch er neuerer Zeit eigentlich gemißbrauchetwird; nähmlich bloß seiner Leidenschaft Genüge zu thun.Oefters hatte dies bey den Großen das völlige Verderb-niß ihrer Sitten, so wie der Einwohner ihres, zur Folge.Von dieser Seite kann daher der große Aufwand nie-mahls gute Wirkung haben. Wenige alte Städte »ndRepubliken bedienten sich des Luxus, des vermehrten Ver-triebes, zu der Absicht, wozu wir sie heutiges Tages nu-tzen : zur Veräußerung ihrer Producte und Arbeiten, folg-lich zur Beförderung der Industrie. Dergleichen warenAthen, Karthago, Alexandrien, Tyrus, u. s. w. Es gehtdies so weit, daß ein Land, dessen Regent zwischen seinenUnterthanen keine wechselseitige Bedürfnisse, keine Ab-hänglichkeitrn von einander veranstalten, und die Preiseder Dinge in keiner erheblichen Balanz erhalten kann,sich in wahrer Unmöglichkeit befindet, an Volkszahl zuzu-nehmen. Zu allen Zeiten haben indessen die mittlern undniedern Stände die Neigung zum Aufwande von den Hä-hern angenommen, und wenn ein Land an Pracht undWohlleben hat sollen gewöhnet werden, so haben zuerstder Hof und der Adel den Anfang gemacht. Dadurchsind mehr Bedürfnisse erwachsen; und wie es der Bürgerund Mittelmann diesen nachgerhan, so ist zulezt die Kauf-Begierde oder Cvncurrenz so groß geworden, daß die

Markte