Lebens-Mittel, Victualien. 2ij?
Bey Ausführung der drey Haupt - Puncte diesesSatzes will ich mich zugleich bemühen, zu zeigen, daßnichts billiger, und den von Gott gegebenen natürlichenGesetzen gemäßer ist, als dieser freye Handel; daß dieRegierung nichts weiter zu thun habe, als solchen zuschützen. Ich werde Vorschläge thun, wie dieses am be-sten einzurichten sey, und hoffe, die oekonomische Gesell-schaft werde mir alsdann einräumen, daß, wenn der freyeHandel in ihrem Stare eingeführt wäre, die Lebens-Mit-tel nicht nur beständig in einem für Käufer und Verkäu-fer billigen Mittel-Preise stehen, sondern auch kein Man-gel, und die traurigen Folgen davon, zu befürchten seynwürden, und daß dieses als das wirksamste Mittel zumReichthum des States, und zum größten politischenWohlstände, womit das Wohl des Regenten verknüpft ist,betrachtet werden müsse.
Unter dem Worte Lebens-Mittel versteht man über-haupt sowohl das Getreide in Körnern, und zu Mehl ge-mahlen und gebacken, als auch Oehl, Wein, oder waSman an dessen Stelle trinkt, oder mit Einem Worte, alleProducte des Gewächs- und Thier-Reiches, die zurNahrung der Menschen und brauchbaren Thiere dienen.
Ihr Ueberfluß ist in jedem State das beste Geschenkder göttlichen Vorsehung, und der Wunsch aller Men-schen-Freunde. Rechtschaffene Regenten müssen es ihrebeständige Sorge ftyn lassen, ihren Unterthanen denselbenzu verschaffen, damit sie die schrecklichen Fdlgen des Maibgels nie empfinden,
2. Abschnitt.
Das verschiedene Interesse bey dem Preise der Lebens-Mittel.
Der Mittel-Preis ist der vorlheilhafteste.
Die Besitzer der Land-Güter und die Landleute wün-schen einen hohen Preis der Lebens-Mittel, um destomehr zu verdienen. Die übrigen, sie mögen Manufa-cruristen und Hand-Arbeiter ftyn, oder von der Industrie,oder von der Besoldung ihrer Aemter leben, wünschendenniedrigsten Preis, um ein desto bequemeres Auskommenzu haben.
Man sieht hieraus, daß das Ganze einer jeden großenSocietät, getheilte Wünsche und ein verschiedenes Inter-
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