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Lebens-Ziel.
Und nunmehr hoffe ich eine richtige Erklärung derWorte: Der Mensch hat seine bestimmte Zeic; dieZahl seiner Monden steht bey Dir; Du hast ihmein Ziel gesetzt, das wird er nicht übergehen, Hiob14, 5. gegeben zu haben. Gott hak, will Hiob sa-gen, einem jeden Körper ein gewisses MaßvonKraftren zugetheilt, vermöge dessen derselbe natürlicherWeise so und so leben kann; ist dasselbe erschöpft, sowird daS Licht seines Lebens aus Mangel der zuflie-ßenden Säfte erlösche»; und das ist das natürlicheZiel, welches kein Mensch, selbst der weiseste u»d tu-gendhafteste nicht, weiter hinaus sehen, aber welcheswohl verkürzet werden kann. Denn ein Mensch kannsich entweder selbst den Faden seiner Lebens Tage ab-schneiden, oder es kann ihm derselbe von Andern ge-waltsamer Weise abgerissen werden, und dies ist daSwidernatürliche Lebens-Ziel. In sofern nun Gotteinen solchen zu frühzeitigen Tod nicht verhindert, son-dern denselben wirklich erfolgen lässet, in so fern sagtHrob auch in diesem Verstände von Gott: Du hastdem Menschen ei» Ziel gesetzt, das er nicht über-schreiten kann.
Diese Aohandlung ist für mich und alle meine Le-ser von der g ößken Wohligkeit. Ich will nur dreyHaupt.-Anmerkungen daraus herleiten.
i. Weil Gott das menschliche Leben keinem un-vermeidlichen Schicksale unterworfen, sondern dieDauer und Erhaltung unsers Odems an natürlicheUrsachen gebunden hat, so folgt, daß es in eines je-den Menschen Macht stehe, sein Leben bis zu dem ihmvon Gott gesehten natürlichen Ziel zu verlängern.Dieses aber geschieht, wenn wir uns der Mäßigkeitim Essen und Trinken befleißigen, wenn wir unsernKörper durch eine seinen Kräften angemessene Arbeit-samkeit in beständiger Bewegung erhalten; wenn wiruns vor heftigen Leidenschaften sorgfältig hüten; wenn