Parlament 641
Muster der Beredsamkeit: es fehlt aber gemei-niglich sehr an der Aufmerksamkeit. Alle Au-genblicke Hörer man rufen Im er tiim! Höre ihn!welches indeß auch ein Zeichen des Beyfalls ist.Viele sind mit den Gedanken abwesend, mancheschlummern, andre essen Nüsse und -Obst: wennes aber zum Votiren kommt, so wissen die, wel-che vom Minister abhängen, schon, ob sie ja odernein sagen sollen.
Es ist nicht zu läugnen, daß das Gleich-gewicht bey der großbritannischen Verfassungsehr wohl eingerichtet und befestigt ist. Alleines ist doch auch unmöglich, die Grenzen derGewalt der drey wachthabenden Theile so genauzu bestimmen, daß nicht die Gerechtsamen derKrone, des Oder« und Unterhauses zuweilen ge-gen einander stoßen, und dadurch veranlassensollten, daß ein Theil zu weit greift; zumahl dajedem Hause des Parlaments die Beurtheilungseiner eignen Rechte zukommt. Ein großer Vor-theil ist, daß jeder Theil zwar die gemeine Wohl-fahrt befördern, aber keiner allein etwas zumSchaden vornehmen, oder den andern, ohne sei-nen eignen Untergang zu befürchten, undrdrük-ken kann. Der König hat also freye Hände,seinem Volke Gutes zu thun, ohne ihm schadenzu können. Ein Unglück ist es inzwischen fürEngland, daß die Nation fast beständig in zweyPartheyen, nähmlich in die Hof und Geczen-parrhey, oder Opposition getheilt ist, woher dwNahmen der Tones und N)igl)rs, und anderedergleichen entstanden sind. Es wird dadurchviel Gutes gehindert, und viel Schaden ange-richtet, und gemeiniglich sind Privatabsicl'ten derGrund aller dieser Uneinigkeiten, und die gemei-ne Wohlfahrt leidet darunter.
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