Pferd. 185
Der zu niedrige Widerriß fehlt gegen dasEbenmaß und ist aus der Hinsicht für ein Pferdmangelhaft, weil die Last des Reiters uns desPferdes selbst, wenn sie nicht durch eine guteFaust und die Kenntniß der höhern Reitkunstüberhaupt gleichförmig vertheilt wird, zu vielauf den Schultern liegt, ein Fehler, der nichtallem die voroern Schenkel des Thieres zu vielund vor der Zeit abstumpft, sondern auch eineprallend rüoe Bewegung bey den Gangen desPferdes für den Reiter hervorbringt. Daß dieseBauart indessen das Pferd im schnellen Laufenhmverke, wie einige Pferdekenner glauben, istunrichtig. Die ganz wilden Pferde, die mannach der Erzählung einiger Reisenden in Ruß-land im Saporogcr Gouvernement trifft, sindvorn viel niedriger als hinten, ungeachtet sie dieschnellsten Läufer sind.
Die Schnelligkeit des Laufens muß mandaher mehr in dem mehr oder weniger kräftigenHintertheil des Pferdes, als in seinem etwaszu hohen 'oder zu niedrigen Widerriffe, suchen.
Durch das in der Reitkunst so modischgewordene Ausstecken des Pferdes, wissen betrü-gerische Roßkämme, indem sie zugleich das Thieretwas bergauf stellen, den Fehler des zu niedri-gen Widerriffes in etwas zu verstecken.
Ein zu hoher, trockner Widerriß, der gleich-sam wie ein Hügel erscheint, beleidiget eben sosehr das Auge, als er für ein Reitpferd nach-theilig ist, weil es mir dieser fehlerhaften Bau-art bey weiten Märschen selten den nachkhciligenFolgen des Drückens entgehet.
Zm Ganzen genommen scheint ein nach die-sen Angaben fehlerhaft und übel gestalteter Wi-drruß ein spezifisches Kennzeichen von der schlech-
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