i6o Carl V. und Ferdinand I.
und das von dem geachteten, tollen Herzog Ulrich ver-wirkte Würtembcrg.
Im folgenden Jahre betrat Ferdinand seines Lan-des Boden, mit den Knospen des Frühlings, vollzogzu Linz am 27. May iÖ22 mit großer Pracht dasBeylager mit der jagellonischen Anna und kam am12. Juny, Allen unvermuthet nach Klosterneuburg.Von dort zog er, ohne Wien zu berühren, das einBall wildenrbrannter Facrionen, seines Antlitzes un-würdig schien, nach Neustadt. Dorthin lud er alleParteyen, die alcen und die neuen Regenten und be-fahl dem Rathe Wiens, sich zu stellen und die Tru-hen , oder den Schatz der Stadt versiegelt hinüberzu senden. — Am 8. July war das große Gericht.Auf purpurbedeckter Bühne, unter dein Baldachin,saß, das goldne Schwert der Gerechtigkeit vor sich, imgoldnen Armstuhl, der igjährige Jnfant und Erz-herzog (nach dem Bilde des venedigischen Boch-schasrers Badoer,) ein schöner und edler, aberrascher Jüngling, in Vielem, zumahl in der un-aufhörlichen Thätigkeit, wie der Ahnherr Ma,r— derdeutschen, wie der spanischen , flammändischen und fcan-zösischen Sprache ganz machrig, der lareinischen unditalienischen nichr unkundig, im Anhören unermüdbargeduldig, in Geschäften wohlversuchr und arbeirsam,aber prachtliebender, weniger ernst, weniger verschlos-sen, aber auch minder nachsichtig und viel heftiger wiesein, drey Jahre allerer Bruder, Kaiser Carl. —■Neben ihm standen: der oberste Kanzler, Peter Bo-nomo, Bischof zu Triest., Hieronymus Balbus, Probst