35
Theresia in den Pocken.
Dald sind 6c» Jahre verflossen, daß der P ra-te r dem Größten wie dem Geringsten als allgemei-ner/ bis jetzt in Europas Hauptstädten unübertroffe-ner Lustwald offen steht. — Ma>- und Rudolph ls.hatten ihn als landesfürstlichen Park und Jagdreviergesperrt, Joseph I. aber den herrschaftlichen Equipa-gen, doch nicht den Fußgängern, geöffnet. — Das dar-aus folgende Jahr erfüllte die treuen Österreicher mitder tiefsten Bekümmerniß. Gerade im Eintritt ihres5 o. Lebensjahres ( 23 . May 1767) wurde die Kaise-rinn von den Pocken befallen, die ihre Schwieger-tochter Josepha von Bayern wirklich dahin rafften, sowie vor 67 Jahren ihren Oheim Joseph zum gänz-lichen Umschwung der Angelegenheiten Öster-reichs, ja Europas. Wie eine schwere Wetterwolkehing ihre Krankheit über dem ganzen Reich. Alt undJung drängte sich in die Kirchen, unermeßliche Almo-sen wurden ausgetheilt und als van S iv i e t e nund Stärk sie ihren entzückten Völkern wiederge-schenkr, >var der Dreyfaltigkeirssonntag (ist. Juny)ein Tag des Freudentaumels ohne Gleichen. DerEle-rus, der Adel, alle Behörden, alle Erziehungsan-stalten, die Milirarkörper, alle Brüderschaften, allebürgerlichen Innungen, alle Confeffionen wetteifertenin Lob - und Dankfesten und es ivar ein rechter Tri-umph, wio am 22. July (nachdem schon früh Mor-gens der Eardinalerzbischof Graf Migazzi die Kanzelbestiegen,) die hergestellte Monarchinn, begleitet vomKaiser Joseph, begleitet von den Erzherzogen Ferdi-
3 *