Pros. vr. tlitzol. 6t MI. August Dörner"'
an der UniversitätAönigsberg.
Im allgemeinen stehe ich der modernen Frauen-bewegung ziemlich skeptisch gegenüber. Da das einzignaturgemäße ist, daß die Frauen heiraten, so halte ich die Wahlsolcher Berufe für sie für bedenklich, die die Schließung der Eheeher erschweren als fördern. Mag man immerhin für manche einegewisse Notlage zugeben, es spielt doch auch in der Frauenfrageetwas von falschem Freiheitstriebe und romantischer Auffassungder Ehe eine Rolle, da es vielen nicht um den ihrer Natur an-gemessenen Beruf vor allem zu thun ist, den sie bei weitem ambesten in der Ehe erfüllen können. Vielmehr wird für die Ehezu sehr die individuelle Seite der Liebe betont, die keineswegs fürdie Schließung derselben der allein ausschlaggebende Faktor seinsoll, so gewiß niemand mit positiver Abneigung heiraten darf. Essollte alles geschehen, was geschehen kann, um die Eheschließung— und zwar die rechtzeitige — auch seitens der Männer zufördern. Die weibliche Erziehung muß aber hauptsächlich daraufgerichtet sein, Freude an häuslichen Beschäftigungen zu erweckenund den Mädchen die für ihren eigentlichen Beruf notwendige Aus-bildung zu gewähren. Denn die Verminderung der Ehen ist einegroße Gefahr für die Sittlichkeit der Nation, da sie, von anderemabgesehen, der Atvmisierung der Gesellschaft Vorschub leistet.
Da sich nun aber gegenwärtig thatsächlich ein Überschuß anweiblicher Bevölkerung herausstellt, so fragt sich, wie dieser Über-schuß am besten für die Gesellschaft verwendet werden soll, so daß
*) Die nähere Begründung meiner Ansichten habe ich in meiner „Philo-sophischen Ethik" gegeben, S. 407 f., 421 f., 439 s., 606 f., 657 f., 715 f., 727.
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