37
studiums zu befürworten. Mit einigen Schlagworten läßt sichüberhaupt eine so verwickelte Frage wie die vorliegende nicht abthun.
Zunächst bekenne ich mich zur Partei derer, die den natür-lichen Beruf der Frau in der Familie unendlich vielhöher stellen, als irgend eine im Wettbewerb mit Männernerreichbare Leistung. Nun ist es aber den Frauen nicht freigestellt,nach eigenem Gutfinden eine Familie zu begründen und zu leiten,und die Zahl derer, denen unsere Kulturverhältnisse den natürlichenBeruf versagen, wächst in bedenklichem Maße. Zahllose einzeln-stehende Frauen sind somit darauf angewiesen, sich eine Lebens-stellung zu schaffen. Selbst solche, die äußerlich unabhängig da-stehen, haben, falls sie tiefer veranlagt sind, das Bedürfnis, ihremLeben Zweck und Inhalt zu geben. Armenpflege, Krankenpflege,Beschäftigung mit Kunst und Literatur sind die Gebiete, die denunabhängig dastehenden einzelnen Frauen herkömmlicher Weise zu-gänglich sind, während die auf einen Erwerb angewiesenen, soweitsie nicht den einfacheren weiblichen Thätigkeiten sich zuwenden,vorzugsweise als Lehrerinnen ihren Weg zu machen suchen.
Wofern es sich nun bei Zulassung der Frauen zum akademischenStudium nur um solche handeln würde, die ihre Bildung zu ver-tiefen oder auch nach einer oder der anderen Richtung zu spezialisierenwünschen, so läge überhaupt kein durchschlagender Grund vor, solcheiner Zulassung entgegenzutreten. Man darf vom modernen Staatverlangen, daß er denen, die die Begabung und den festen Willenhaben, etwas Ordentliches zu lernen, die Möglichkeit dazu nichtohne weiteres verschließt.
Die Schwierigkeit des vorliegenden Problems liegtnicht im akademischen Studium der Frauen, sondern imEintritt der Frauen in die Berufsarten mit akademischerVorbildung. Speziell für die medizinische Fakultät fallen dievorstehenden Gesichtspunkte der Frauenfrage vielfach zusammen mitder der Realschulfrage. Der Massenzutritt neuer Elementezum Ärzteberuf wird, falls nicht anderweitig Vorkehrungen getroffenwerden, unabweislich eine Herabsetzung der mittleren Höhe derBerufsleistungen und des Berufserwerbes zur Folge haben. Schonjetzt führt der Kampf ums Dasein bei den akademischen Berufsartenvielfach dahin, daß nicht die Tauglichsten das Übergewicht bekommen