139
mau Frauen zum Lehrerinneubcruf zuließ. Aber die Berufsarten,die die Frauen heute iuue haben, sind doch überfüllt, und es kaundes Staates nur würdig sein, wenn er Frauen Gelegenheit giebt,sich auf jede Weise, soweit es ihren Anlagen entspricht, ihr Brotzu verdienen. Wenn der Staat das angeblich zur Ehegeborene Weib nicht in solche Verhältnisse bringt, daßjedes Weib sich angemessen verheiraten mag, so ist eseine Grausamkeit, wenn er Frauen, die sich nicht zuverheiraten vermögen, die Existenz untergräbt. Thatsächlichsehen wir ja heute, daß Töchter sehr hoher Beamten häufig demgrößten Elend preisgegeben sind, wenn der Ernährer nicht mehrlebt. Aber nehmen wir selbst die Fälle, wo es Mädchen möglichist, auf Grund äußerer Vorzüge, auf Grund der Vermögensver-hältnissc der Eltern einen Mann zu erlangen. Es ist auch fürdiese Mädchen, wenn sie Neigung zu wissenschaftlichen Studienhaben, ein viel edlerer Berns, den Studien nachzugehen, als Bälle,sogenannte Heiratsmärkte, zu besuchen, und hier, wie Modepuppengekleidet, sich auszustellen und als einzige Ausgabe des jungenMädchens die Gewinnung eines Ehemannes zu betrachten. DerStaat wird sicherlich nichts verlieren, selbst wenn einige Ehenweniger geschlossen werden, zumal da die betreffenden Mädchenaußerhalb der Ehe viel mehr durch einen wissenschaftlichen Bernsder Allgemeinheit zu nützen vermögen. Der wohlfeile Spott, derzum großen Teil noch heute über alte Jungfern ausgeschüttet wird,ist eines anständigen Volkes unwürdig, und er wird zweifellos umso mehr schwinden, je mehr man den Frauen Gelegenheit giebt,außerhalb der Ehe ihre Befähigung zu erweisen.
Ich habe absichtlich nicht eingehend die Fälle besprochen, wodie Frau im stände ist, trotz der Verheiratung einem wissenschaft-lichen Berufe nachzugehen, wie wir dies ja auch heute schon beimanchen verheirateten Frauen finden. Immerhin will ich zugeben,daß dies in der Ehe manche Schwierigkeiten bietet.
Zu diesen allgemeinen Gesichtspunkten kommen noch eine ganzeReihe spezieller, die sich auf gewisse Studien und besonders aufdas medizinische beziehen; dessen Freigabe verlangt ja die Frauen-welt in erster Linie. Viele Frauen, so wird erklärt, ließen sichviel lieber von weiblichen Ärzten untersuchen und behandeln