Band 
Hundert und zwei und fünfzigster Theil, welcher die Artikel Sege bis Seihezeug enthält.
Seite
93
JPEG-Download
 

93

Seide und Seidenbau.

weiter am Körper zurückschiebt. Wahrend dieses ge«schiehk, dringt zugleich aus der Oberfläche des Körperseine Feuchtigkeit hervor, welche sich, zwischen die alteund neue Haut ergießend, das Abstreifen der ersterenerleichtert und beschleuniget? Den ersten Tag nach derHäutung befindet sich LieRaupe in einem Zustande vonErmattung und zeigt wenig Freßlust, darauf frißt sie aberwieder mit großer Gier, uud ihrHunger läßt nicht nach undhört nicht auf, bis dieZeit einer ncuenHäUtung herannaht.Nach der letzten Häutung frißt sie sehr stark, und hatsie ihre vollkommene Größe erreicht, so nimmt ihreFreß-lust wieder ab, und hört endlich ganz auf. Die Raupewird jetzt unruhig, richtet den Kopf in die Höhe undwirft ihn hin und her. Aus dem Maule hängen ihreFäden. Ihr Leib ist dick und glänzend, und der in ih-rem Innern angehäufte harzige Seidensaft, schillertgelbgrünlich durch die Haut, am Halse und auf demRücken. Sie fängt von ihrem Platze an wegzulaufenund sucht einen Ort, wo sie in Einsamkeit und Ruheihr Gespinnst anhängen und sich die Hülle bereiten kann,in deren Inneren sie die große Umwandlung aus einemkriechenden wurmartigen Geschöpfe in einen geflügeltenSchmetterling bestehen soll. Sie entleert sich aller Ex-kremente und es bleibt nichts in ihr, als die thierischeSubstanz und die harzige Flüssigkeit, die sie zur Ver-fertigung ihres Gewebes gesammelt hat. Ihre Hautzieht sich jetzt zusammen und die Bildung der Puppebereitet sich in ihrem Innern vor. Sobald sie einenpassenden Ort für ihren Zweck gefunden hat, klebt siezwei feine Tröpfchen des aus den Oeffnungen unter demMunde hervorquellenden Saftes an den Gegenstand,an welchen sie ihr Gespinnst anhängen will, bewegtden Kopf hin und her und zieht so die ersten Fäden,welche sie hier und da an verschiedenen Stellen ihresSpinnortes befestiget. Am ersten Tage ist das Ge-webe unordentlich, weitlauftig und unzusammenhängend,