Seidenmanufaktur. 423
auf, sie thun sich etwas zu gut, arbeiten nur nachläßig undfördern nichts; sie fordern höheres Arbeitslohn, unddurch alle diefe Umstände kommen die Fabriken in Ver-fall. Daher ist nichts gewisser, als daß die reichenGewebe und prachtvollsten Seidenwaaren mit den Thrä-nen des Arbeiters benetzt werden." Der elende Zu-stand, in welchem sich die Stadt Lyon mit ihrer Indu-strie im Jahre 1788 befunden, giebt ein sehr abschrek-kendes Beispiel, und zeigt, welche üble Folgen mit gro-ßen und weitläufigen Manufakturen verbunden sind,besonders aber mit solchen, die bloß die Bedürfnisse desLuxus und der Mode zum Hauptgegenstand haben. Esereignete sich nämlich zu gedachter Zeit, daß dieSeiden-erndte fehl schlug, und weil nundieSeidenweberey, dasHauptgewerbe dieser Stadt, dadurch in Stockung ge-rathen mußte, entließen die Fabrikanten über 2500 Ge-sellen und Arbeiter, welche dadurch, nebst ihren Fami-lien in Brodlosigkeit und ins jämmerlichste Elend ver-setzt wurden. Menschenfreunde, Fabrikanten, die ihreigenes Interesse dazu antreiben mußte, ja die Regie-rung selbst kam ihnen zu Hülfe. Im May 1788 ka-men sie mit einer Bittschrift beim Könige ein, und stell-ten vor, ihre Hülfskasse sei so erschöpft, daß sie keinenvollen Monat mehr auslangen könnte, wenn auch jedemvon den außer Brod Gesetzten nur täglich 2 SolS ge-reicht würden. Es war nun die Rede davon, ob mandiese Leute nicht zu öffentlichen Arbeiten, zum Grabenrc. gebrauchen könne; allein man mußte diesen Gedan-ken aufgeben, und der in dieser Angelegenheit für jeneLeute sprechende Deputirte, Herr Berg äffe, sagteunter andern:
„ Dieses Mittel läßt sich nicht ausführen; denn dassitzende Leben, wozu diese Menschen von Jugend aufgewöhnt sind, die Beschaffenheit, auch zuweilen die Un-zulänglichkeit ihrer Nahrung, oftmals die zu anhaltendeArbeit, geben diesen Leuten eine außerordentlich jchwäch-