Nachtrag zum Art. Seidenhascnhaar. 709
Seidenhaare giebt es nicht, und graue hüt. Ein Sei-Lerihasenbalg ist zweimal so viel werth, als der übrigeKörper, so wie die Haut eines Ochsens den 20stenTheil des Schlachtviehs, oder das Schaffell mit Wolleden 6ten oder lOtett Theil des ganzen Schafwerthes be-trägt. In London wurde ein Kaninchenfell paarweisefür zwei Schillinge an die Hutmacher, das Fleisch aberum acht bis zehn Prozent verkauft. Im Magdebur-gischen wurde das Pfund dieser ungesponnenen Seidett-haare für 3 Rthlr. 8 Gr. verkauft.
Das Seidenhaar und alle Fabrikate aus demselbenhaben für die Motten und anderes nagendes Gewürmeinen sehr anziehenden Reiz. Nach keinem Haare sinddie Motten begieriger, als nach diesem; dabei hat manin der That Mühe bei heißen Sommertagen diese Gästevon ihrev Lieblingsspeise abzuhalten. Alle stark rie-chende destillirte Oele, Lavendel, Nelken, Kienöl, sindkräftige Gegenmittel Daö Letztere ist am stärksten undzugleich am wohlfeilsten. Man darf nur ein StückLöfchpapier mit Kienöl oder Terpentinöl betröpfeln,oder tränken, solches dann in kleine Stücken zerschnei-den, und diese unter und zwischen die Haare und Zeugelegen, so wird, wenigstens in den ersten Tagen, wo derGeruch noch stark seyn wird, keine Motte oder sonst einschädliches Insekt sich daran vergreifen. Wiederholtman nun nach acht bis zehn Tagen dieses Vorbauungö-mittel, so wird man gewiß sicher gegen die Verwüstun-gen dieses Ungeziefers seyn. Man kann auch Stäb-chen aus Kienholz schneiden, solche mit Terpentinöltränken, und zwischen die Haare legen, so wird mandiesen Zweck noch besser erreichen.
Ende des hundert und zwei und fünfzigsten Theiles.