Schaf und Schafzucht. 615
keine Wolle, sondern Haare; auf der andern Seitehaben die Ziegen unter sehr gelindem Himmelsstrichevielmehr Wolle, als Haare; denn das Haar derZiege in Tibet, s. oben, S. ;s8, ist schöner undfeiner, als die Wolle unserer Schafe. Dieses Kenn-zeichen ist also nicht wesentlich, es ist bloß zufällig,indem es nach der Verschiedenheit des Klima, beidiesen beiden Gattungen auf gleiche Art seyn undnicht seyn kann. Das Kennzeichen der Hörner scheintnoch ungewisser zu seyn, indem dieselbe in Absichtder Zahl, der Größe, der Gestalt und der Richtungsehr mannigfaltig sind. Von unsern zahmen Schafen ha-ben die Widder gewöhnlich Hörner, den Scha-fen fehlt es aber daran, indessen giebt es auch un-ter unseren Herden Widder ohne Hörner, und Schafemit Hörnern, und nicht allein mit zwei, sondernauch im Norden mit vier Hörnern, ja zuweilen mitsechs und acht Hörnern, s. oben, S. 567. Inden heißen Ländern sind die Widder nur mit zweisehr kurzen Hörnern, und öfter, gleich dem Schafe,mit gar keinen versehen. Bei einigen sind die Hörnerglatt und rund, bei andern hingegen gekerbt und geglättet,und die Spitze ist, anstatt hinterwärts gebogen zu seyn,bisweilm nach außen zu oder vorwärts umgedreht,welche Abweichung der Hörner Otto auch bei denHörnern der Schafe in Pommern gewahrte. Jaman kann hinzusetzen, daß das Cretische Schaf(Ovis 8ti-6p8ieero8) größere und geradere Hörnerhabe, als der Ziegenbock, und der genannte Schrift-steller fand sie auch bei allen Weibchen der Herden,die er sah. Dieses Kennzeichen ist daher nicht be-ständiger, als das erste, und reicht daher nicht hin,verschiedene Gattungen festzusetzen. Die Dicke undlänge des Schwanzes geben auch keinen hinläng- '.lichen Grund dazu ab, daß man Gattungen anneh-men könnte, weil dieser Schwanz ein durch die