Buch 
Feldzüge des Vicomte Türenne ... aus den ächtesten Urkunden / von Friedrich Wilhelm von Zanthier
Entstehung
Seite
98
JPEG-Download
 

93

Bürgerlicher Krieg

zu geben, einen Tag eher, als er gesagt, zu Paris an, weil er Ehrensbezeugungen dieserArt zu einer Zeit nicht liebte, wo sie in der That wenigen Anstand haben, wenn man näm-lich von den Feinden des Staats in die Residenz seines Königs und Königin kömmt.

Zu dieser Zeit lenkte die Königin im Geheim alles nach dem Rathe des Cardinals,obgleich von außen alles seiner Rückkehr sich zu widersetzen schien. Selbst das Par-lement that öfters Vorstellung gegen die Rückkehr, und der König und die Königin ant-worteten stets, daß man versichert seyn sollte, daß er nicht wieder zurückkommen würde.Gleichwohl wandte sich alles, was von der Königin eine Gnade erbitten wollte, an denCardinal nach Cölln. Der Prinz hielt öfters Rath in dem Hotel von Longueville, standmit dem Herzog von Orleans ganz wohl, und gieng selten an den Hof; der Cardinalaber war immer der Hoffnung, daß er mit ihm sich vergleichen würde. Indeß hatteder Prinz Anfangs das Anfehn sich gegeben, als wenn er die Vermahlung des Prinzenvon Conty mit Mademoiselle von Chevreusc schließen wollte, weil dieß eine von den Be-dingungen war, unter welchen der Cardinal von Nez an seiner Freyheit gearbeitet hatte.Als aber Türenne zu Paris ankam, war die Heirath schon wieder rückgängig. DerCardinal Rez stand daher mit dem Prinzen auf völlig übelm Fuße, und der Prinz, derfür sich das Gouvernement vor: Guienne und für den Prinzen von Conty das von derProvence begehrte, näherte sich nach und nach dem Hofe, jedoch dem Vorgeben nach,ohne die geringste Gemeinschaft mit dem Cardinal. In der That aber negociirte dieHerzogin von Longueville und der Prinz von Conty durch die Prinzessin von der Pfalzmit dem Minister, und versprachen, daß der Prinz, wenn er das Gesuchte erhielte, inBetracht der Rückkehr desselben nachgeben würde.

Der Prinz begab sich zu Türennen, sobald er seine Ankunft erfahren hatte, führteihn nach dem Louvre, und sodann nach seinem eignen Hotel, wo man nach der Tafelwie gewöhnlich sich versammelte. Aber von der Zeit an beschloß Türenne, nicht wiederdahin zu gehn, weil er gar leicht aus den Nachrichten, die er zu Stenay erhalten hatte,und dem, was er selbst zu Paris sah, erkannte, daß die Rede von nichts als eignemInteresse war, und von außen einen schönen Anschein sich zu geben, so den, der nichthell sah, hintergieng. Der Prinz versicherte Türcimcn, daß er allezeit das Nämlichefür ihn zu thun bereit sey, und mÜNterte ihn sehr auf, Federungen an den Hof zuthun, die er mit größtem Eifer betreiben wollte. Gleichwohl hatten alle Truppen vonder Armee des Königs gute Quartiere gehabt, und sich darin hergestellt; die Türenni-schen aber, die doch allein für den Prinzen gefochten hatten, blieben ohne festen Fuß und

ohne