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Feldzüge des Vicomte Türenne ... aus den ächtesten Urkunden / von Friedrich Wilhelm von Zanthier
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99
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vom Jahr 1648 bis 1652. 99

ohne Quartiere; der Prinz erbot sich zwar, dafür zu reden, nahm sich aber der Sachenicht an, als wenn sie ihm wirklich am Herzen gelegen hatte.

Es wäre ein zu weitläuftig Geschafft, wenn man alle die vielen Veränderungenvon Interesse bey den Großen des Hofs in den damaligen Zeiten erzählen wollte. DerHof selbst war damals tief herunter, traute fast niemanden, der irgends von Anfehn war,und wagte nicht die geringste entfchloßne That, diesen oder jenen in Verhaft zu nehmen,oder nur Unzufriedenheit zu bezeigen. Türenne, der in allen Vorfällen dem Interessedes Cardinals entgegengehandelt, hatte keinen Gedanken, sich mit ihm auszusöhnen,und eilte auch nicht, um bey der Königin in beßre Gnade zu kommen, sah aber zugleichin den Entschließungen des Prinzen so wenig Bestand, daß er beschloß, keine neue Ver-bindung mit ihm einzugehn. Die Herzogin von Longueville fragte ihn lange nach seinerRückkunft, ob er in dem Interesse des Prinzen verbleiben würde; er antwortete ihr aber,daß das Vergangne ihm nun, da der Prinz wieder in Freyheit wäre, Anlaß genug gä-be, es wohl zu überlegen, ehe er aufs neue sich einließe, und er verblieb in dieser Ge-sinnung. Doch sah er oft genug den Prinzen, der auch sehr gut gegen ihn sich betrug,aber von ganz verschiednen Entwürfen so sehr hin und her getrieben ward, daß, ob ermit dem Hofe bräche oder sich vergliche, Türenne in keinem von beyden Fällen, sichersich mit ihm verbinden zu können, glaubte. Man kann im übrigen nicht sagen, daßder Prinz an Erkenntlichkeit gegen ihn gemangelt habe, sondern es hatte wirklich derselbeviele Achtung für ihn, und so viel Freundschaft als für irgend jemand. Türenne aberhielt es nicht für gut, in eine Reihe von Verwicklungen gegen den Hof sich einzulassen,da er wußte, daß der Zweck von dem allen war, das Interesse von einigen wenigen zubefördern, ganz ohne Rücksicht auf das gemeine Beste. Diese Gründe erhielten ihnbeständig fest, daß er nach der Befreyung des Prinzen nicht zu seiner Parthey überge-gangen ist. Eben so wenig aber that er einen niedrigen Schritt gegen den Hof, umseine Gunst wieder zu gewinnen; zwar wünschte er allerdings sehr, die Sache in demStand zu sehn, daß der Herzog von Bouillon und er sich mit demselben aussöhnen könn-ten, mochte es aber nicht auf Kosten der Ehre erkaufen. Auch wünschten die, so inAbwesenheit des Cardinals das meiste Anfehn hatten, nicht, daß diese beyden Brüdersich dem Hofe ergäben; und obgleich der Prinz eben zu der Zeit ihnen viele Schritte ent-gegengegangen, so hatte es doch Türenne völlig in dem Sinne, daß nach dem Ver-gangnen nun alles für ihn besser sey, als zu seiner Parthey zu treten, und wollte vonnun an ganz von aller Cabale entfernt leben.

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Feldzug