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Feldzüge des Vicomte Türenne ... aus den ächtesten Urkunden / von Friedrich Wilhelm von Zanthier
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110
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HO

Feldzug vom Jahr 1652.

Auf der Höhe Zu Estampes sagte ihm der Chevalier Berkley, daß die Avantgarde schonso weit vorweg wäre: Es ist zu spat, um es zu verhindern, antwortete der Marschall,und zuckte die Achseln. Indeß war die Gefahr um so größer, weil so viel Gefangnefolgten, und man marschirte daher was man nur konnte, und nicht ohne Furcht.

Den Tag nach dem Gefecht gieng die Armee nach Chatres, und zwey Tagedarauf nach Palaiseau, wo man die Gemeinschaft zwischen Paris und Estampes nochbesser verbot. Ein Corps Cavallerie bedeckte St. Germain und den Hof, und mit die-sem Corps und einigen Compagnien von den Garden nahm der Marschall Türennes Jsle Adam und St. Denys ein. In St. Denyö ließ man Besatzung, und es wur-de alles, was vor den Thoren von Paris sich gezeigt hatte, mit Verlust von vielen Ge-fangnen zurückgetrieben, und der Herzog von Orleans und der Prinz hatten keine Ge-meinschaft mit ihrer Armee, und nichts als einige neurecrutirte Truppen um sich. Weilalso die von Estampes die einzigen waren, so die Parthey der Prinzen in Paris undden Städten diesseits der Loire aufrecht erhielten, so war der Marschall Türenne derMeynung, daß man hauptsächlich auf sie seinen Entwurf zu richten hätte, um sie ent-weder zu zwingen, daß sie Estampes verließen, und die Armee des Königs im Feldemit ihnen schlagen könnte, oder sie in Estampes selbst mit Hunger aufzureiben.Es wurden die Bedürfnisse der Belagerung vom Hofe gefodert; und ob er gleich langenicht so viel weder an Schanzzeug noch Munition, als man gebrauchte, liefern können,so glaubte dennoch der Marschall, daß man die Unternehmung darum nicht aufgebendürfte, und die Zeit nicht besser genützt werden könnte, als dies Corps, die einzige Stützeder bürgerlichen Unruhe, zu zerstreuen. Die Armee brach den 2ysten auf und lagertesich zu Estrechi, und am folgenden Tage auf einem Berge nahe vor Estampes. Weil manbey Zeiten in dem Lager angelangt war, so nahm man noch in derselben Nacht nach viel-fachen Scharmützeln alle Häuser außerhalb der Stadt den Feinden weg. Es lagen indem Platze drey bis vier tausend Mann Infanterie und auf drey tausend Pferde; Tü-renne hatte sechs tausend zu Fuß und vier tausend Cavallerie. Die Truppen, die derMarschall Hocquincourt, so nach seinem Gouvernement gegangen war, commandirte,lagerten sich zur Rechten unter dem Herzog von Navailles, und Türenne mit den seinenzur Linken längst aller Höhen von Estampes; doch verließ man von der andern Seiteeinen dortigen Bach nicht eher, als bis man sich gut verschanzt hatte. Man fieng an,eine Linie gegen die Stadt auszuwerfen, die nur auf einen guten Musquetenschuß da-von ablag, von außen aber brauchte man keine Verschanzung, weil bis itzt im Feldekein Feind war. Die Belagerten thaten manchen Ausfall, und da aus Mangel von

Schanz-